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Wenn Birnbäume blühen, aber keine Ernte bringen

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27.02.2026 | von DI Herbert Muster

Eine prachtvolle Birnenblüte ist kein Garant für eine reiche Ernte. Bleibt der Fruchtansatz regelmäßig aus, liegt das meist an einem Zusammenspiel mehrerer Ursachen. In manchen Fällen kann es jedoch ein einzelner entscheidender Faktor sein, der den Ertrag Jahr für Jahr vollständig verhindert.

06_20260227_Freiding_25_09_2013_Novembra (3).jpg © LK Steiermark
Novembra © LK Steiermark

Birnen sind selbststeril - ohne passenden Befruchter kein Ertrag

Fast alle Birnensorten sind selbststeril und auf Fremdbestäubung angewiesen. Das Fehlen einer geeigneten Befruchtersorte ist ein recht häufiger Fehler. Dabei reicht es jedoch nicht, irgendeine zweite Sorte zu pflanzen. Damit eine Befruchtung funktionieren kann müssen mehrere Faktoren gewährleistet sein. Zunächst muss die Befruchtersorte gleichzeitig blühen, damit Pollen zum richtigen Zeitpunkt verfügbar sind. Ebenso wichtig ist die Pollenqualität. Triploide Sorten wie etwa "Alexander Lucas" sind als Befruchter ungeeignet, da sie selbst kaum keimfähigen Pollen liefern. Zusätzlich ist noch eine mögliche sortenspezifische Intersterilität zu berücksichtigen. Bestimmte Sortenkombinationen sind genetisch inkompatibel und bringen selbst bei gleicher Blütezeit keinen Fruchtansatz hervor, ein klassisches Beispiel ist die Kombination "Williams" mit "Gute Luise".

Hat man eine geeignete Sortenkombination gewählt, steigt die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Befruchtung umgekehrt mit dem Abstand zwischen den Sorten. Als praxisbewährte Faustregel gelten mindestens 10% geeigneter Befruchtersorten in der Anlage. Praxiserfahrungen zeigen zudem, dass der Abstand zwischen Pollenspender und Hauptsorte nicht zu groß sein sollte. In Erwerbsobstanlagen werden maximal 20 m empfohlen.

Einzelne Sorten wie "Conference" können jedoch auch ohne Befruchtung Früchte ausbilden und gute Erträge erzielen. Dieses Phänomen wird als Parthenokarpie bezeichnet und kann durch den gezielten Einsatz von Phytohormonen zusätzlich unterstützt werden.
Brinenblüte.jpg © LK Steiermark
Birnenblüte © LK Steiermark

Kälte zur und nach der Blüte

Grundsätzlich ist zwischen direkten Frostschäden und anhaltend kühler Witterung ohne Frost zu unterscheiden. Offene Birnenblüten und junge Früchte reagieren äußerst frostempfindlich. Ab der Vollblüte können Temperaturen unter etwa -1,5 °C bereits innerhalb von 30 Minuten zu schweren Schäden führen. Bei Wind verstärkt sich die Frostwirkung durch Verdunstungskälte, sodass selbst Temperaturen im leichten Plusbereich zu Erfrierungen führen können.

Ebenso problematisch kann sich auch eine länger anhaltende kühle Witterung während und nach der Blüte auswirken. Niedrige Temperaturen während der Blüte verhindern häufig eine ausreichende Befruchtung durch Bestäuberinsekten. Honigbienen nehmen ihre Sammelaktivität erst ab etwa 12 °C auf, während Hummeln und einige Wildbienenarten deutlich weniger temperaturempfindlich sind und bereits ab etwa 8 °C aktiv werden, kommen meist aber nur in geringer Anzahl vor.

Nach einer erfolgreichen Bestäubung beginnt der Pollenschlauch zu wachsen, womit der eigentliche Befruchtungsprozess einsetzt. Daher ist die Temperatur nicht nur während der Blüte, sondern auch in den etwa sieben Tagen danach von großer Bedeutung. Erreicht der Pollenschlauch die Eizelle nicht rechtzeitig, stirbt diese ab. Günstig sind Tageshöchsttemperaturen von mindestens 20 °C in der Woche nach der Bestäubung.

Zu starkes vegetatives Wachstum verhindert Fruchtansatz

Stark wachsende Birnbäume befinden sich häufig in einem hormonellen Ungleichgewicht. Übermäßiges Triebwachstum steht in direkter Konkurrenz zu Blüten und jungen Früchten um Assimilate. Bei Jungbäumen steht zunächst das vegetative Wachstum im Vordergrund; man spricht von der juvenilen Phase, bevor der Baum auf natürliche Weise in die generative Phase übergeht.

Durch Fehler in der Kulturführung oder den Einsatz sehr stark wachsender Unterlagen kann sich diese juvenile Phase jedoch verlängern, sodass der Baum verspätet oder unzureichend in die Ertragsphase eintritt.
Ursachen sind meist ein zu starker oder unsachgemäßer Winterschnitt, starkwüchsige Unterlagen bei gleichzeitig zu geringem Standraum oder eine überhöhte Stickstoffversorgung. In solchen Situationen fließt die Energie vor allem in Holz und Blattmasse und die Blüten werden unzureichend versorgt. Wachstumsregulierend wirken ein zurückhaltender Winterschnitt, ein gezielter Sommerschnitt oder in einzelnen Fällen auch ein moderater Wurzelschnitt. Ebenfalls hilfreich kann sein, dem Birnbaum etwas mehr Platz zu lassen, um sich auszubreiten.
Xenia.jpg © LK Steiermark
Xenia © LK Steiermark

Blüteninfektionen durch Pseudomonas syringae

Bei anhaltend kühler und nasser Witterung während der Blüte besteht ein erhöhtes Risiko für Infektionen mit dem Bakterium Pseudomonas syringae. Befallene Blüten verfärben sich braun bis schwarz, welken und trocknen ein. Eine direkte Bekämpfung ist nur sehr eingeschränkt möglich.

Das Befallsrisiko wird maßgeblich durch die Sortenanfälligkeit sowie die Standortbedingungen beeinflusst. In feuchten Regionen mit häufig und langanhaltender Blattnässe sollten daher anfällige Sorten vermieden werden.
 

 

Licht ist Leben - Knospenqualität und Photosynthese

Die Grundlage für den Ertrag wird bereits im Vorjahr gelegt. Zu dichte Bestände oder schlecht aufgebaute Kronen führen zu Lichtmangel im Kroneninneren. Dies beeinträchtigt die Ausbildung kräftiger Blütenknospen und reduziert gleichzeitig die Photosyntheseleistung. Im Folgejahr werden die ohnehin schwachen Blüten dann nur schlecht versorgt und besonders bei ungünstigem Blühwetter häufig zur Gänze abgeworfen.

Eine gut belichtete, locker aufgebaute Krone ist daher eine wichtige Voraussetzungen für stabilen Fruchtansatz.
Eine sorgfältige Anlagenplanung, geeignete Befruchtersorten, günstige Standortbedingungen und eine ausgewogene Anlagenführung bilden die Voraussetzung für den Erfolg. Birnenanlagen haben aufgrund der notwendigen Fremdbestäubung, der frühen Blüte und ihrer Anfälligkeit gegenüber Bakterienerkrankungen leider auch bei guten Voraussetzungen ein erhöhtes Ausfallrisiko.
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