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Herbizideinsatz im Raps

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15.07.2026 | von DI Hubert Köppl

Durch die Zulassung von einigen auch im Nachauflauf einsetzbaren Herbstherbiziden ist die Produktpalette im Raps erweitert worden. Vor allem für Betriebe, deren Flächen in Wasserschutz- und Schongebieten liegen, oder die am ÖPUL-Programm Vorbeugender Grundwasserschutz Acker teilnehmen, haben sich die Möglichkeiten deutlich erweitert. Seit einiger Zeit gibt es ein breit wirksames Produkt (Korvetto) im Frühjahr, trotzdem soll einem Herbsttermin der Vorzug gegeben werden.

Es hat sich in den vergangenen Jahren gezeigt, dass v.a. Klettenlabkraut, Kamille aber auch Ausfallgetreide (insbesondere Winterweizen) bei der Ernte Probleme machen. In der Jugendphase können zusätzlich Hirtentäschel und Hellerkraut sowie Rote Taubnessel, Vogelmiere (v.a. bei metazachlorfreier Behandlung - hier clomazonehältige Produkte verwenden) und Ehrenpreis als Konkurrenten gefährlich werden. Vereinzelt findet man auch Ampfer oder Storchschnabel-Arten in größerem Ausmaß. Leider besitzen alle Herbizide keine gute Wirkung gegen Ackerstiefmütterchen, dieses muss in anderen Kulturen bekämpft werden.
Sommerkeimer.jpg © LK OÖ/Köppl
Sommerkeimer wie Weißer Gänsefuß sterben über den Winter ab. © LK OÖ/Köppl
Oft laufen neben den oben genannten Unkräutern auch "Sommerkeimer", wie z.B. Weißer Gänsefuß, Amaranth, Knöterich-Arten und Hirsen auf, diese frieren über den Winter jedoch ab. Präparate im Vorauflaufverfahren oder im frühen Nachauflauf benötigen für die optimale Wirkung genügend Niederschläge nach der Saat und einen feinkrümeligen, gut abgesetzten Boden. Raps sollte mit ca. 2 cm Erde abgedeckt sein. Bei sehr langer Vegetation kann manchmal die Dauerwirkung etwas leiden und bei nicht dichten Beständen noch Unkraut auflaufen.
Raps-Kamille Herbst.jpg © LK OÖ/Köppl
Kamille kann im Herbst mit Belkar oder im Frühjahr mit Korvetto bzw. Lontrel bekämpft werden. © LK OÖ/Köppl
In solchen Fällen soll bei Vegetationsbeginn nochmals eine Bestandeskontrolle auf Problemunkräuter wie Klettenlabkraut und Kamille erfolgen, um noch rechtzeitig z.B. mit Belkar korrigieren zu können. Die Herbstprodukte haben teilweise den Nachteil, dass der Nachbau relativ eingeschränkt sein kann. Die Wirkungsspektren der einzelnen Produkte und Produktkombinationen sind der Tabelle zu entnehmen.

Beachten Sie auch die Abstandsauflagen zu Oberflächengewässern sowie die speziellen Auflagen bei der Ausbringung von metaza- und dimethachlorhältigen Produkten. Beide Wirkstoffe sind sehr leicht auswaschbar und deren Metabolite werden verbreitet im Grund- und Trinkwasser nachgewiesen. Produkte mit diesen Wirkstoffen dürfen in Wasserschutz- und Schongebieten und bei der Teilnahme am ÖPUL-Programm "Vorbeugender Grundwasserschutz-Acker" nicht mehr eingesetzt werden. Ohne die beiden Wirkstoffe Metazachlor und Dimethachlor bleiben für "Grundwasserbetriebe" das breit wirksame Nero, das neue Conaxis, Gajus, reine Clomazone-Produkte (z.B. Centium CS, Reactor - beide als Mischpartner oder in Spritzfolgen) aber auch Tanaris über. In der Praxis hat sich kurz nach dem Anbau bis in das Auflaufen des Unkrautes der Einsatz von 1,5 l/ha Tanaris bewährt, eventuell noch auflaufende Unkräuter (außer Vogelmiere) können mit 0,25 l/ha Belkar ab dem 2-Blattstadium des Rapses bekämpft werden.
Raps-Vogelmiere.jpg © LK OÖ/Köppl
Auf Vogelmiere ist bei metazachlorfreier Unkrautbekämpfung zu achten. © LK OÖ/Köppl
Gibt es Probleme mit Vogelmiere, dann bleiben nur clomazonehältige VA-Produkte (z.B. Centium CS, Reactor, Conaxis, Nero) als einzige praktikable Lösung.

Beim Einsatz clomazonehältiger Produkte ist Abdrift aber unbedingt zu vermeiden, da vom Spritznebel getroffene Pflanzen deutlich Aufhellungssymptome zeigen. Bei Temperaturen über 25°C und Wind kommt es immer wieder zu Abdrift auf Nachbarflächen. Die Verträglichkeit ist bei normaler Witterung gut, bei starken Niederschlägen können leichte Blattverformungen oder Aufhellungen auftreten.

Behandlungsstrategien ohne Metaza- und Dimetachlor

Seit 2025 auf dem Markt ist Conaxis, eine Kombination aus den Wirkstoffen Clomazone (bekannt aus Centium CS) und Dimethenamid-p (bekannt aus Spectrum). Es wird im Vorauflauf angewendet und ist breit wirksam. Bei der Ausbringung entlang von Siedlungsgebieten muss mit abdriftmindernder Technik (mind. 50%) gearbeitet werden. Seit einigen Jahren ist Gajus (3,0 l/ha) auf dem Markt, es beinhaltet die Wirkstoffe Pethoxamid (bekannt aus Successor 600) und Picloram (war ein Bestandteil von Effigo). Die Anwendung ist vom Vorauflauf bis in das 4-Blattstadium des Raps möglich, wobei jedoch die Unkräuter noch klein sein sollen (1-Blattstadium). Schwächen bestehen bei Acker-Hellerkraut/Hirtentäschel, Ackerveilchen, Besenrauke, Vogelmiere - teilweise können diese durch eine Kombination mit Tanaris beseitigt werden (2 l/ha Gajus + 1,0 l/ha Tanaris).
 
Durch die Zulassung von Belkar steht ein breit wirksames Produkt für eine Behandlung im späteren Nachauflauf zur Verfügung. Es beinhaltet die wuchsstoffähnlichen Wirkstoffe Halauxifen-methyl (Arylex, bekannt aus Pixxaro EC) und Picloram. Bei einer einmaligen Anwendung mit 0,5 l/ha kann diese zwischen dem 6- und 8-Blattstadium durchgeführt werden, eine Splittingvariante mit jeweils 0,25 l/ha ist ab dem 2- bis 4-Blattstadium möglich (z.B. gemeinsam mit einer ev. notwendigen Erdflohbekämpfung). Eine sehr gute Wirkung wird gegen Klettenlabkraut, Taubnessel, Kornblume, Klatschmohn, Besenrauke aber auch Storchschnabel-Arten erzielt. Schwächen bestehen bei Vogelmiere. Auch eine Kombination aus 1,0 l/ha Tanaris und 0,25 l/ha Belkar im frühen Nachauflauf ist möglich. Tanaris besteht aus den Wirkstoffen Dimethenamid-p (bekannt aus Spectrum) und Qinmerac (auch in Butisan Gold) und kann vom Vorauflauf bis in den frühen Nachauflauf eingesetzt werden.
 
Eine sichere Wirkung gegen Klettenlabkraut und viele andere Unkräuter wird im Vorauflaufverfahren mit dem Wirkstoff Clomazone (z.B. Colzor Trio, Centium CS, Reactor) erzielt. Dieser erfasst auch Hirtentäschel und Hellerkraut, die bei engerer Rapsfruchtfolge vermehrt auftreten, sicher. Abdrift ist unbedingt zu vermeiden, da vom Spritznebel getroffene Pflanzen deutliche Aufhellungssymptome zeigen. Die Verträglichkeit der Vorauflaufprodukte ist bei normaler Witterung gut, bei starken Niederschlägen können leichte Blattverformungen oder Aufhellungen auftreten. Auch bei Temperaturen über 25 °C sind diese durch Clomazonedämpfe möglich. Storchschnabel wird mit Colzor Trio gut erfasst.

Weitere Behandlungsstrategien

Gute Wirkung gegen Klettenlabkraut besitzt auch Butisan Gold AT. Der Einsatz ist vom Vorauflauf bis zum frühen Nachauflauf (2-Blattstadium) der Kultur bis zu den ersten echten Laubblättern der Unkräuter möglich. In der Praxis hat sich aber der frühe Einsatztermin bewährt, v.a. 5 bis max. 7 Tage nach der Saat erfasst es auch Hirtentäschel und Ackerhellerkraut gut. Hier erzielt man eine gute Wirkung sowohl über das Blatt als auch über den Boden. Butisan Top/Fuego Top erfassen bei feuchter Witterung auch noch Unkräuter im 1- bis 2-Laubblatt-stadium. In manchen Gebieten Niederösterreichs tritt die Besenrauke stärker in Erscheinung. Colzor Trio zeigt mit vollen Aufwandmengen gute Wirkung. Der Wirkstoff Metazachlor in Butisan bzw. Fuego-Kombinationen konnte in der Praxis bei feuchter Witterung die beste Wirkung erzielen. Ausfallgetreide soll durch eine flache Bodenbearbeitung zum Auflaufen gebracht werden.
IMG-20211125-WA0003.jpg © Kagerer
Einsatz von Kerb FLO im Spätherbst © Kagerer

Problemgräserbekämpfung

In Betrieben mit Problemungräsern wie Ackerfuchsschwanzgras oder Weidelgras, die vielleicht schon resistent gegen Herbizide sind, kann im Spätherbst/Winter bei Bodentemperaturen unter 10 °C Kerb FLO (1,25 l/ha) eingesetzt werden, dabei werden Vogelmiere und Ehrenpreis miterfasst. So kann der Aufbau eines Samenvorrats im Boden verhindert werden.


 

Korrekturen im Frühjahr

Andere Ungräser können sowohl im Herbst als auch im Frühjahr behandelt werden. Ausfallgetreide soll durch eine flache Bodenbearbeitung zum Auflaufen gebracht werden. Es kann auch gemeinsam mit dem Fungizid- bzw. Wachstumsreglereinsatz bekämpft werden. Optimale Wirkung wird bei warmer, wüchsiger Witterung erzielt.

Kontrolle im Frühjahr

Wir haben immer öfter das Phänomen, dass der Spätherbst und der Winter mild und feucht sind. Darum muss im Frühjahr die Wirkung der Herbstbehandlung genau kontrolliert werden. Im Frühjahr steht Korvetto (1,0 l/ha) zur Verfügung. Es enthält wie Belkar den Wirkstoff Halauxifen-methyl in Kombination mit Clopyralid (bekannt aus Lontrel). Eine sehr gute Wirkung besteht gegen Klettenlabkraut, Kamille-Arten, Taubnessel-Arten, Kornblume und Distel. Die Anwendung kann ab Vegetationsbeginn bis zum Knospenstadium (ES 50 - Knospen von den obersten Blättern noch dicht umschlossen) erfolgen. Das Einsatzfenster ist zeitlich eng, da die wuchsstoffähnlichen Produkte nur bei warmer, wüchsiger Witterung ohne Nachtfröste und in Raps, bei dem die Knospen noch von den Hüllblättern umschlossenen sind, eingesetzt werden darf.
 

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