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Wie können wir anders in unserer Familie miteinander reden? Imago Teil 6 – unbewusste Vereinbarungen in Beziehungen

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08.06.2026 | von DI Willi Peszt

Die Bgld. Landwirtschaftskammer ist Teil des bundesweiten Beratungsprojektes „Lebensqualität Bauernhof“, das sich zur Aufgabe gemacht hat, psychosoziale Beratung zur Verbesserung der Lebensqualität auf landwirtschaftlichen Betrieben anzubieten.

Wir führen in unseren Familien unterschiedliche Gespräche:
  • mit unserem Mann/ mit unserer Frau
  • mit unseren Eltern
  • mit unseren Kindern, die z.T. schon erwachsen sind.
 Vielleicht kennen Sie folgende Situationen:
(Anmerkung: Die folgenden Beispiele stellen häufige Situationen im Beratungsalltag dar. Sie sollen keinesfalls eine geschlechtertypische Zuschreibung darstellen.)
  • Sie wollen Ihren Partner/ Ihre Partnerin, Ihre Eltern oder Ihre (erwachsenen) Kinder bitten, etwas an ihrem bisherigen Verhalten zu verändern.
  • Ihr Gegenüber lässt Sie vielleicht gar nicht ausreden, weil es vielleicht zu wissen glaubt, was Sie sagen wollen und antwortet schon.
  • Sie haben nicht das Gefühl verstanden worden zu sein.
 Harville Hendrix, Ph.D. und Helen La Kelly Hunt, Ph.D. haben die Imago Therapie und Beratung begründet.
Quelle: www.brehmsimago.eu 
„Teil 1 – Die vier Ebenen der Wertschätzung“
„Teil 2 – Die vier Schritte des Imago-Dialogs“
„Teil 3 – Die Bitte um Verhaltensveränderung“
„Teil 4 – Macht in Beziehungen konstruktiv einsetzen“ und
„Teil 5 – Auftanken in Beziehungen“
dieser Artikelserie sind schon im Mitteilungsblatt der Bgld. Landwirtschaftskammer erschienen und können unter www.bgld.lko.at (Lebensqualität Bauernhof Burgenland) Lebensqualität Bauernhof Burgenland | Landwirtschaftskammer Burgenland nachgelesen werden.

Unbewusste Einflussfaktoren

In den bisherigen Teilen dieser Artikelserie wurden v.a. bewusste Einflussfaktoren auf unsere Beziehungen zu Liebespartner:innen, Eltern, Kindern und Geschwistern beschrieben. Dann können wir z.B. mit Hilfe des Imago-Dialogs „Bitte um Verhaltensveränderung“ konkrete Wünsche an unser Gegenüber formulieren und uns dabei auch bewusst werden, welche Zusammenhänge dies vielleicht mit frühen Kindheitserlebnissen hat. Unser Gegenüber kann unsere Bitten beurteilen, ob sie für ihn/sie einfach, herausfordernd oder derzeit nicht erfüllbar sind und sich vielleicht bewusst bemühen, die eigenen Grenzen auszudehnen. Dadurch können vielleicht unsere frühen Verletzungen besser heilen und unser Gegenüber kann persönliches Wachstum und Entwicklung erfahren. Und wenn unser Gegenüber Bitten an uns heranträgt, können wir ebenso handeln.
 
Es gibt aber auch unbewusste Einflussfaktoren. Dies zeigt sich z.B. darin, wenn wir klare Bitten formulieren, unser Gegenüber sich auch sehr bemühen will, uns diese Bitten zumindest teilweise zu erfüllen – und doch funktioniert es im Alltag nicht. Dann besteht die Gefahr, dass beide Seiten diesen Versuch eines neuen Umgangs miteinander frustriert aufgeben und alles so bleibt, wie es früher war.

Bewusste Ebene

(Anmerkung: Das folgende Beispiel stellt eine häufige Situation im Beratungsalltag dar. Es soll keinesfalls eine geschlechtertypische Zuschreibung darstellen. Aufgrund der begrenzten Artikellänge wird es auch sehr vereinfacht dargestellt.)
Eine Frau hat in ihrer Kindheit nur wenig Aufmerksamkeit von ihrem Vater erfahren, weil dieser sehr hart und streng ihr gegenüber war. Sie ist nun als erwachsene Frau vielleicht mit einem Mann verheiratet, bei dem sie ähnliches erlebt. Sie wünscht sich im Rahmen einer Paartherapie/ einer Paarberatung von ihrem Mann, dass er ihr zumindest einmal in der Woche nach der Arbeit eine kleine Aufmerksamkeit bringt.
Sie erzählt dies dem Mann in einem Imago-Dialog „Bitte um Verhaltensveränderung“. Dabei kann sie ihre Situation gut darstellen, sodass der Mann nachvollziehen kann, dass es dazu beitragen wird, ihre kindliche Wunde zu heilen, wenn er sich bemüht, aufmerksamer zu sein.
Die Umsetzung fällt ihm aber nicht leicht. Er hat in seiner Kindheit eine weiche, unentschlossene Mutter erlebt, die ihn vor den hohen Anforderungen seines Vaters nicht geschützt hat. Wenn er nun seiner Frau Aufmerksamkeiten mitbringen soll, weckt dies in ihm dieselben unangenehmen Gefühle, die er seiner Mutter gegenüber hatte.
Er erkennt in der Paartherapie/-beratung, dass er Gefühle, die aus der Beziehung zu seiner Mutter stammen, in die Beziehung zu seiner Frau überträgt. Er möchte bewusst dagegen ankämpfen und ihr ihren Wunsch erfüllen. Nach der Arbeit fällt ihm sein Vorhaben wieder ein. Er erinnert sich daran, dass er beim letzten Tanken Blumen an der Kassa der Tankstelle gesehen hat. Er fährt dort hin, kauft diese, fährt nach Hause und überreicht sie seiner Frau.
Diese betrachtet die Blumen mit skeptischem Blick und denkt sich, ob sie dem Mann nicht mehr wert sei als ein verdrückter Blumenstrauß von der Tankstelle. Sie will aber keinen Streit auslösen und sagt nur „Danke“.
Der Mann hätte sich mehr positive Reaktionen seiner Frau erwartet. Er fragt nach, was ihr denn an den Blumen nicht gefalle. Sie antwortet halbherzig, dass sie ohnehin schön seien. Es bleibt aber eine unangenehme Stimmung. Möglicherweise führt dies dazu, dass er ihr keine Aufmerksamkeiten mehr bringt und sie sich bestätigt fühlt, dass sie Männern nur wenig wert ist.

unbewusste Vereinbarung

Alle Beteiligten haben versucht eine Veränderung der bisher unzufriedenstellenden Situation zu erreichen – und haben es bei ausschließlicher Betrachtung der bewussten Ebene nicht geschafft.
Es kann hilfreich sein zu überprüfen, ob es möglicherweise unbewusste Einflüsse geben könnte, die in der Kindheit entstanden sind.
Die Frau ist vielleicht in einer Familie aufgewachsen, in der ihr Vater durchsetzungsstark und beruflich sehr erfolgreich war, aber nur relativ wenig Zeit mit ihr verbrachte. Ihre Mutter war nach ihrer Berufsausbildung kurz unselbständig beschäftigt gewesen, hat dort aber bald gemerkt, dass sie im Konkurrenzkampf mit den Kolleg:innen nicht mithalten wollte. Sie war daher nach der Geburt der Kinder zu Hause geblieben und begründete dies auch zu einem späteren Zeitpunkt damit, dass ihre Kinder sie brauchen würden. Die Tochter verbrachte die meiste Zeit mit der Mutter, daher übernahm sie stark die nachgiebige Haltung der Mutter. Sie übernahm aber auch dominante Anteile des Vaters. Wenn sie diese ihrer Mutter gegenüber zeigte, war diese gekränkt und sagte zu ihr: „Du bist schon so wie dein Vater.“ Die Tochter wollte nicht riskieren, die Liebe der Mutter zu verlieren, daher musste sie diese dominanten Anteile in sich zurückdrängen, sie wurden unbewusst.
Der Mann ist vielleicht in einer ähnlichen Herkunftsfamilie aufgewachsen. Sein Vater war aber zusätzlich gewalttätig. Es war daher sicherer für ihn, zupackend und entscheidungskräftig zu sein wie sein Vater, der dann mit ihm zufrieden war. Er musste seine einfühlsame Seite, die er von der Mutter übernommen hatte, in Unbewusste verdrängen.
Der Mann und die Frau hatten einander kennengelernt und in der Verliebtheitsphase am Gegenüber das geschätzt, was sie bei sich selbst vermissten. Die Frau konnte ihren eigenen Wunsch nach Härte an den Mann auslagern, der Mann konnte seinen inneren Wunsch nach Weichheit an die Frau auslagern. Dadurch konnten beide jenen Anteil in sich weiter ausleben, der ihnen bewusst war, ihre unbewussten Anteile wurden vom Gegenüber verkörpert. Dadurch erreichten sie auf unbewusster Ebene ein Gleichgewicht – dies war ihre unbewusste Vereinbarung.

Unbewusste Ausgleichsversuche

Die Frau wird aktuell auf bewusster Ebene von der äußeren Härte ihres Mannes ebenso verletzt wie von ihrem Vater. Bewusst wünscht sie sich daher einen weicheren Mann. Wenn dieser erste Schritte in diese Richtung setzt, wird ihr unbewusster Wunsch nach Dominanz wieder aktiv. Dies bringt sie unbewusst in ein Ungleichgewicht zwischen ihren nachgiebigen und ihren dominanten Anteilen. Ihr Unbewusstes sucht daher nach Möglichkeiten, um eine dauerhafte Veränderung der Beziehung zu boykottieren.
Der Mann erlebt aktuell seine Frau als ebenso durchsetzungs- und entscheidungsschwach wie seine Mutter. Wenn sie (z.B. im sicheren Rahmen einer Paartherapie/-beratung) sich traut, ihre Wünsche offen auszudrücken, freut er sich auf bewusster Ebene über diese Unterscheidung zu seiner Mutter. Auf unbewusster Ebene werden dadurch aber seine weichen Anteile aktiver. Das bringt ihn in ebenso in ein unbewusstes Ungleichgewicht zwischen seinen harten und weichen Anteilen. Auch sein Unbewusstes sucht nach Möglichkeiten, eine dauerhafte Veränderung der Beziehung zu boykottieren.
Möglicherweise sind beide vom Ergebnis der Paartherapie/-beratung enttäuscht. Vielleicht sehen sie in der Paartherapie/-beratung sogar einen gemeinsamen Feind, der alles nur noch schlechter gemacht hat, sie überlegen, alles so zu lassen, wie es früher war, obwohl sie beide unglücklich sind.

Möglicher Ausweg

In einer schwierigen Beziehung zwischen zwei Menschen (z.B. Liebespartnern, Eltern und erwachsene Kinder, erwachsene Geschwister) gibt es immer bewusste und unbewusste Ebenen. Es ist sinnvoll, die eigenen Möglichkeiten zur Verbesserung der Beziehung auszunützen.
Bei Bedarf kann auch professionelle Unterstützung z.B. durch Therapie und Beratung in Anspruch genommen werden. Dabei wird wahrscheinlich anfangs auf der bewussten Ebene gearbeitet.
Falls sich unbewusste Widerstände zeigen, sollte die Therapie und Beratung nicht abgebrochen werden. Durch die Einbeziehung der unbewussten Ebene ergibt sich ein vollständigeres Bild, das für die nachhaltige Bearbeitung unbewusster Vereinbarungen notwendig ist.

Zusammenfassung:

Gespräche sind in vielen Bereichen des Zusammenlebens innerhalb der Familie wichtig z.B.
  • Gespräche zwischen Liebespartnern
  • Gespräche zwischen Eltern und (erwachsenen) Kindern
  • Gespräche zwischen Geschwistern
 
Die Imago-Therapie und –Beratung hat für diese Gespräche verschiedene hilfreiche Methoden entwickelt z.B.
  • vier Ebenen der Wertschätzung
  • vier Schritte des Imago-Dialogs
  • Bitte um Verhaltensveränderung
  • Dialog zu unbewussten Vereinbarungen in der Beziehung 
 
Welche Erfahrungen haben Sie mit unbewussten Vereinbarungen in Beziehungen gemacht? Rufen Sie mich an! Tel. 02682/702/606.

Beratungsangebote der Burgenländischen Landwirtschaftskammer

Die Burgenländische Landwirtschaftskammer unterstützt als Teil der bundesweiten Initiative „Lebensqualität Bauernhof“ landwirtschaftliche Familienbetriebe in herausfordernden Situationen.

Bäuerliches Sorgentelefon
In einer verzwickten Situation kann es helfen, mit jemandem zu sprechen, der in der bäuerlichen Lebenswelt zu Hause ist und Verständnis für Probleme hat, die in dieser Berufsgruppe und bei der abgebildeten Arbeits- und Wohnkonstellation auftreten - der gleichzeitig aber auch über das nötige psychologische Fachwissen verfügt.
Kompetente Gesprächspartner hören sich Ihre Probleme an und versuchen gemeinsam mit Ihnen Lösungsmöglichkeiten zu finden. Hier können Sie über Ihre Situation reden, hier wird Ihnen zugehört – österreichweit, anonym und vertraulich (€ 1,30/ Stunde).
Telefonnummer: 0810/676810, Montag bis Freitag von 8:30 bis 12:30 Uhr (ausgenommen an gesetzlichen Feiertagen).
 
Psychosoziales Beratungsangebot der Bgld. Landwirtschaftskammer

Die Burgenländische Landwirtschaftskammer bietet Ihnen Unterstützung in Form einer Einzel- , Paar- oder Familienberatung an oder im Rahmen einer Mediation. Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihnen eine Unterstützung helfen könnte, so scheuen Sie Sich nicht, diese auch in Anspruch zu nehmen!
Bei der Beratung werden Sie dabei unterstützt, die für Sie beste Lösung zu finden. Dies kann z.B. sinnvoll sein, wenn sich nicht alle Familienangehörigen an diesem gemeinsamen Prozess beteiligen wollen. Oder Einzelpersonen wollen für sich selber erst festlegen, was ihnen wichtig ist und was in einer Lösung geregelt werden muss, damit sie damit gut leben können.
Bei einer Mediation versuchen alle Beteiligten mithilfe der fachlichen Begleitung durch einen allparteilichen (neutralen) Mediator eine Lösung zu finden, die für alle passt. Dabei unterstützt der Mediator alle Beteiligten so, dass jeder/jede ausdrücken kann, was ihm/ihr wichtig ist. Falls dies jemandem sprachlich schwerer fällt, kann der Mediator die Darstellung durch Formulierungsvorschläge unterstützen ohne den Sachverhalt oder die Aussage zu verändern. Der Mediator bleibt auch hier neutral.
Die Voraussetzung für die Mediation ist, dass alle Beteiligten an diesem Prozess interessiert sind. Es besteht die Chance, dass dabei Lösungen gefunden werden, an die im Vorfeld niemand gedacht hat. Die getroffenen Vereinbarungen halten, weil sie gemeinsam erarbeitet wurden.
Eine genaue Beschreibung dieses Angebots finden Sie unter: www.bgld.lko.at (Lebensqualität Bauernhof Burgenland) Lebensqualität Bauernhof Burgenland | Landwirtschaftskammer Burgenland

Kontakt:
DI Willi Peszt, Psychotherapeut, Imago-Therapeut i.A.u.S.,
Diplom-Sozialpädagoge und zertifizierter Mediator
Burgenländische Landwirtschaftskammer
Esterhazystr. 15; 7000 Eisenstadt,
Tel. 02682/702/606, E: willi.peszt@lk-bgld.at
 

Kontakt

  • Willi Peszt
    DI, Dipl. Sozialpädagoge, zert. Mediator Willi Peszt, Psychotherapeut
    Esterházystraße 15
    7000 Eisenstadt

    willi.peszt@lk-bgld.at
    T 02682/702-606
    F 02682/702-690
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