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Was tun bei Futtermangel im Milchviehbetrieb?

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24.09.2026 | von DI Gerald Stögmüller, DI Thomas Tüchler, Ing. Helmut Riegler-Zauner

Auch bei Futtermangel muss man Rinder bedarfsgerecht füttern und ihre Leistungsfähigkeit ausschöpfen. Wie Sie diese Notrationen am besten zusammenstellen und trotzdem keine überhöhten Futterkosten in Kauf nehmen müssen, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Trockensteher-mit-50Prozent-Strohanteil-füttern_Stögmüller_20260919_071823.jpg © Gerald Stögmüller/LK Niederösterreich
© Gerald Stögmüller/LK Niederösterreich
Verfüttert man Notrationen, muss man diese unbedingt genau berechnen. Nur so kann man die Tiere mit den nötigen Nährstoffen versorgen und darauf aufbauend leistungsgerecht Kraft- und Mineralfutter ergänzen.

Auf Basis der Rationsberechnung plant man anschließend die Futtermengen, die man für den kommenden Winter benötigt. Eine Kuh braucht für acht Monate rund 20 Kubikmeter Silage. Diese Bestandsaufnahme kann verhindern, dass Landwirtinnen und Landwirte im Frühjahr gezwungen sind, Heu oder ähnliche Futtermittel zu überhöhten Preisen zuzukaufen.

1. Stroh füttern

Bei Trockenheit im Sommer ist die Strohqualität immer ausgezeichnet. Doch Stroh ist protein- und energiearm. Den Tieren stehen also wenig Nähr-, Mineralstoffe und Vitamine zur Verfügung.
Da Stroh aber sehr viel Struktur enthält, kann man auch mit größeren Mengen an Kraftfutter noch eine wiederkäuergerechte Ration gestalten. Stroh füttern in Kombination mit Melasse als Lockfütterung fördert die Futteraufnahme. Milchkühe haben in den ersten 150 Laktationstagen sowie in den letzten drei Wochen vor dem Abkalben hohe Ansprüche an die Ration. Deshalb sollte
  • hochlaktierenden Milchkühen sowie
  • Rindern in den letzten Wochen vor dem Abkalben
auch bei Futtermangel bestes Grundfutter ständig zur freien Aufnahme angeboten werden. Kalbinnen mit 250 bis etwa 550 kg Lebendgewicht können mit reinen Stroh-Kraftfutter-Rationen gefüttert werden, deren Anteil an der Gesamtration zwischen 20 und 80% betragen kann. Ergänzt man Kraft- und Mineralfutter gezielt, kann man die Tiere ausgewogen mit Nährstoffen versorgen.

2. Kraftfuttereinsatz erhöhen

Erhöht man die Kraftfuttermenge, kann man den Grundfutterbedarf deutlich reduzieren. Dabei ist zu beachten, dass Wiederkäuer Spezialisten für die Verwertung von faserreichen Futtermitteln sind. Die Ration muss daher ein Mindestmaß an strukturiertem Grundfutter aufweisen. In der Rinderration darf man deshalb den Grundfutteranteil von 50% der Gesamt-Trockenmasseaufnahme nicht unterschreiten. Das Kraftfutter muss man gezielt in kleinen Portionen und das Grundfutter zur freien Aufnahme anbieten. Dies ist vor allem dann wichtig, wenn die Qualität des Grundfutters gering ist.

Kraftfutter schonend einsetzen
Je höher der Kraftfutteranteil in der Ration wird, desto wichtiger wird die Portionsgröße. Pro Teilgabe soll man nicht mehr als 1,5 kg Kraftfutter füttern. Zusätzlich sollten Kraftfutterkomponenten vermehrt in die Ration eingebaut werden, die den Pansen durch langsame Nährstofffreisetzung nicht belasten. Dazu zählen beispielsweise Körnermais, Trockenschnitzel und Weizenkleie.

3. Zukaufsfutter

Biertreber kann man bis zu 10 kg pro Tier und Tag verfüttern. Mit 6 kg Biertrebern je Kuh und Tag spart man rund 10% an Grundfutter. Biertreber sind ein sehr proteinreiches Futtermittel mit mittlerer Energiekonzentration. Die Tiere fressen Biertreber sehr gerne. Sie sind wegen ihres hohen Rohproteingehaltes vor allem in rohproteinarmen Rationen sehr gut einsetzbar, zum Beispiel in Kombination mit Maissilage oder Stroh.
Beispiel Maissilage in Rundballen: Die Qualität kann man erst beim Öffnen der Maissilageballen beurteilen. Lässt man eine repräsentative Futterprobe im Futterlabor untersuchen, hilft das Ergebnis bei der Rationsgestaltung.

4. Zwischenfrüchte

In Trockenjahren hat der Anbau von Zwischenfrüchten eine noch größere Bedeutung. Aufgrund des geringen Assimilationsvermögens der Pflanzen im Herbst nehmen sie den Stickstoff zwar auf, wandeln aber nur wenig in Eiweiß um. Der hohe Gehalt an Eiweißbausteinen führt bei einseitiger Fütterung zu Vergiftungserscheinungen und Pansenalkalose aufgrund zu rascher Ammoniakanflutung.

Das Zufüttern von Heu und Stroh bewirkt einen Verdünnungseffekt. Die Verdauung stabilisiert sich und der Abfall des Milchfettgehaltes vermindert sich. Das Silieren von Zwischenfrüchten erleichtert den Einsatz mit anderen Futtermitteln in geringeren Futtermengen.

5. Grundfutter gezielt einsetzen

Bei Kombinationshaltung im Anbindestall bieten sich Barrenteiler an. Sie ermöglichen es, die Kühe leistungsgerecht zu füttern und gleichzeitig altmelkende Kühe und Trockensteher mit nährstoffärmerem Futter, wie zum Beispiel Stroh, zu versorgen. Das heißt, man kann nährstoffreicheres Futter für neumelkende Kühe sparen.  Am besten funktioniert diese Fütterung, wenn man zusätzlich die Kühe nach Leistungsgruppen zusammenhängt: neumelkend, altmelkend, trockenstehend.  Viele Praktiker meinen: "Es war ein Fehler, dass wir den Barrenteiler nicht schon früher eingebaut haben. Es gibt kein Futterschieben mehr und vor allem weiß man, ob und wie viel zum Beispiel die frisch abgekalbte Kuh gefressen hat!"

Im Laufstall ist es wichtig, dass die Trockensteher einen eigenen separaten Bereich haben. Außerdem kann man wertvolle Grund- und Kraftfuttermittel einsparen, weil man Trockensteher mit größeren Mengen faserreicher Komponenten wie Stroh und Strukturheu als Silageersatz versorgen kann.

6. Mischwagen einsetzen

Das Einmischen von Stroh im Mischwagen vermindert die Selektion von Futterstroh und erleichtert den Einsatz von größeren Mengen Futterstroh. Hier muss aber eine der Leistung entsprechende Versorgung mit Nährstoffen, Mineralstoffen und Vitaminen gewährleistet sein.

Kühe in Hochlaktation
Kühe in Hochlaktation sollten deshalb nicht mehr als ein Kilogramm Stroh pro Tag erhalten, wobei man Altmelkenden und Trockenstehern deutlich höhere Mengen verabreichen kann, wie zum Beispiel drei Kilogramm und mehr.  Eine ausreichende Gesamtfutteraufnahme kann man auch mit schmackhaften Komponenten wie zum Beispiel Melasse und Kraftfutter fördern.  Das Jungvieh, zum Beispiel ab zwölf Monaten, und Trockensteher fressen bei entsprechendem "Training" 1 - 3 kg Futterstroh pro Tier und Tag auch in der Einzelfuttervorlage, das heißt ohne Mischwagen.
Tabelle_Ersatzfuttermischungen.jpg © LK Niederösterreich
© LK Niederösterreich

Tipp zur Ration

  • Hochwertiges Grundfutter erhalten vorrangig die hochleistenden Tiere, vor allem zu Laktationsbeginn, sowie die Kälber.
  • Rinder mit geringem Nährstoffbedarf - altmelkende und trockenstehende Kühe, Jungvieh im 2. Lebensjahr - erhalten anstelle von Heu oder Grassilage auch Stroh in Kombination mit Kraftfutter.
  • Futterrationsberechnungen sind eine Voraussetzung für die bedarfsgerechte Ergänzung mit Energie, Eiweiß, Struktur und Mineralstoffen.

Vorschlag für eine Ration
Rationsbeispiel für altmelkende und trockenstehende Kühe:
18 kg Grassilage
  6 kg Gerstenstroh
100 g Mineralfutter

Die Ration reicht für zirka 8 kg Milch. Höhere Leistungen werden mit Kraftfutter erfüttert. Bei Kühen im mittleren Laktationsabschnitt sollte die maximale Strohmenge 3 kg betragen.

7. Tierbestand verringern

Bei Futterknappheit sollte man auch überlegen, den Tierbestand zeitgerecht zu verringern. Dabei sollte man jene Produktionsbereiche reduzieren, in denen die Wirtschaftlichkeit je eingesetztem Produktionsfaktor am geringsten ist, zum Beispiel bei Futter, Arbeitszeit oder Stallplatz.

Kalbinnenaufzucht

Eine Option kann auch das Auslagern der Kalbinnenaufzucht sein. Zusätzlich muss damit eine spürbare Verringerung des Grundfutterbedarfes verbunden sein. Leistungsschwache Milchkühe oder Milchkühe mit zu erwartender langer Trockenstehzeit rechnen sich sehr schlecht.

Wichtiges ganz kurz

  • Rasch einen groben Futterplan für die nächsten Monate erstellen.
  • Effekte von Rationsumstellungen und Tierverkäufen auf die Futterbilanz prüfen.
  • Kosten von Zukauffutter und von Rationen prüfen.
  • Vorausschauend und rasch handeln.
Für Fragen rund um den Einsatz und die Kombination von Futtermitteln sowie die Erstellung von Rationen stehen die Fütterungsberater:innen Ihrer Landwirtschaftskammer gerne zur Verfügung.
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Mehr Maissilage in der Ration: Kraftfutter ist neu abzustimmen

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Wie kann Stroh Grundfutter ersetzen?

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