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Start der Apfelernte im Burgenland

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27.08.2026 | von Michaela Tesch-Wessely

Extreme Trockenheit sorgt im Burgenland für bis zu 30 Prozent weniger Ernte

Start der Apfelernte_Plemenschits und Berlakovich .png © LKBgld_Tesch-Wessely
© LKBgld_Tesch-Wessely
Mit dem Start der Apfelernte beginnt für die burgenländischen Obstbaubetriebe heuer eine Ernte unter außergewöhnlich schwierigen Bedingungen. Die extreme Trockenheit und die langanhaltende Hitze haben die Entwicklung der Äpfel massiv beeinträchtigt. Im Burgenland wird bei Äpfeln mit Ernteausfällen von bis zu 30 Prozent gerechnet. Besonders problematisch: Viele Früchte erreichen aufgrund des Wassermangels nicht jene Größe, die für die Vermarktung als Tafelobst im Handel erforderlich ist. „Das heurige Jahr ist auch für unsere Obstbäuerinnen und Obstbauern eine enorme Herausforderung. Die Kombination aus extremer Trockenheit und Hitze hat den Bäumen zugesetzt wie selten zuvor. Bei manchen Betrieben fehlt ein Teil der Ernte, bei anderen sind die Äpfel schlicht zu klein, um die Anforderungen des Handels zu erfüllen. Das ist bitter für die Bäuerinnen und Bauern, die das ganze Jahr über mit großem Einsatz für eine hochwertige heimische Ernte arbeiten. Aber auch wenn die Äpfel heuer etwas kleiner ausfallen, die Qualität und der Geschmack sind nach wie vor ausgezeichnet“, betont LK-Präsident Nikolaus Berlakovich.
 
Start der Apfelernte_Bäume .jpg © LKBgld_Tesch-Wessely
© LKBgld_Tesch-Wessely
Der Apfel ist das Lieblingsobst der Österreicher. Knapp 18 Kilo werden davon im Jahr pro Kopf verspeist. Auch heuer versorgen uns unsere rund 111 Apfelbäuerinnen und Apfelbauern im Burgenland auf rund 270 Hektar mit heimischen Äpfeln. Dennoch ist die Lage im Erwerbsobstbau schon seit Jahren alarmierend. „In den vergangenen zwölf Jahren konnten aufgrund des Klimawandels lediglich drei Normalernten eingebracht werden. Hinzu kommen stark gestiegene Betriebskosten, höhere Lohnkosten, neue eingeschleppte Schädlinge sowie eingeschränkte Möglichkeiten beim Pflanzenschutz. Im Gegensatz dazu bleiben aber die Marktpreise zu niedrig, um wirtschaftlich überleben zu können. Wir brauchen ehrliche Preise, damit alle entlang der landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette fair entlohnt werden können und weiterhin regional und umweltschonend produziert werden kann“, betont LK-Präsident Nikolaus Berlakovich und ergänzt: „Die Zahl der Apfelbäume ist seit 2017 um 31,5 Prozent gesunken. Und die Fläche sogar um 34 Prozent. Die aktuellen Entwicklungen machen deutlich, dass es nicht nur um die heurige Ernte geht. Vielmehr stellt sich die grundsätzliche Frage, unter welchen Bedingungen Obstbau in Regionen mit zunehmender Trockenheit künftig noch wirtschaftlich möglich sein wird.“
 
Apfelernte Kiste Äpfel.jpg © LKBgld_Tesch-Wessely
© LKBgld_Tesch-Wessely

Plemenschits: „Wir brauchen eine nachhaltige, langfristige Strategie.“

Für Johann Plemenschits, Präsident des Burgenländischen Obstbauverbandes, steht heuer vor allem die Situation der einzelnen Betriebe im Mittelpunkt. „Aufgrund der extremen Trockenheit können viele unserer Betriebe jene Zielgröße der Äpfel, die für den Handel notwendig ist, nicht erreichen. Das ist für die Obstbauern besonders bitter. Sie haben nicht zu wenig gearbeitet – im Gegenteil. Sie können aber gegen fehlendes Wasser nichts ausrichten. Deshalb mein Appell an die Konsumentinnen und Konsumenten: kauft regionale Äpfel und unterstützt uns heimische Obstbäuerinnen und Obstbauern.“
Gleichzeitig warnt Plemenschits davor, die Landwirtschaft zum Sündenbock für steigende Lebensmittelpreise zu machen: „Ich bin seit Jahrzehnten in der Landwirtschaft tätig und habe noch nie erlebt, dass der Bauer dafür verantwortlich ist, dass Lebensmittel teurer werden. Der Obstbauer bekommt nicht automatisch mehr Geld, nur weil ein Produkt im Geschäft mehr kostet.“ Es brauche daher eine grundsätzliche Diskussion über die Zukunft der heimischen Produktion. „Wir brauchen für die Landwirtschaft, und ganz speziell für den Obstbau, eine nachhaltige und langfristige Strategie – und das am besten sofort. Es geht nicht darum, dass die Bauern reich werden. Es geht um Rahmenbedingungen, unter denen die Bäuerinnen und Bauern gerne arbeiten und von ihrer Arbeit leben können.“
 
Äpfel in Kiste .jpg © LKBgld_Tesch-Wessely
© LKBgld_Tesch-Wessely

Wasser wird zur Schlüsselfrage

Eine der größten Herausforderungen für die Zukunft ist die Verfügbarkeit von Wasser. Von den über 648 Hektar Erwerbsobstanlagen im Burgenland sind nur 45 Prozent bewässerbar. Doch auch bewässerbare Flächen helfen nur dann, wenn ausreichend Wasser zur Verfügung steht. Gerade in den östlichen Regionen geraten Speicherteiche und andere Wasserreserven durch die anhaltende Trockenheit zunehmend unter Druck. „Wir müssen jetzt handeln und dürfen nicht erst reagieren, wenn die nächste Katastrophe da ist. Wasserverfügbarkeit, Bewässerung, Speicher, Klimawandelanpassung, Versicherungen und eine wirtschaftlich tragfähige Produktion müssen gemeinsam gedacht werden. Wenn wir heimisches Obst wollen, müssen wir auch dafür sorgen, dass die Betriebe eine Zukunft haben“, so Berlakovich.
Für den LK-Präsidenten geht es dabei auch um die Versorgungssicherheit: „Wir sehen heuer sehr deutlich, was passiert, wenn die Natur die Grenzen setzt. Wenn heimische Produktion aufgrund der Rahmenbedingungen zurückgeht, steigt die Abhängigkeit von Importen. Damit verlieren wir nicht nur regionale Wertschöpfung, sondern auch unsere Versorgungssicherheit mit heimischen Produkten.“
Trotz der schwierigen Ausgangslage soll die heimische Apfelernte nicht ausschließlich negativ gesehen werden. Wo die Früchte die erforderlichen Qualitäts- und Größenkriterien erreichen, können die Konsumentinnen und Konsumenten auch heuer auf hochwertige österreichische Äpfel zurückgreifen. „Wer heimische Äpfel kauft, unterstützt damit direkt unsere Bäuerinnen und Bauern und trägt dazu bei, dass Obstbau auch in Zukunft bei uns möglich bleibt“, appelliert Berlakovich an die Konsumentinnen und Konsumenten.
 

Dürre-Maßnahmenpaket bringt Entlastung für die bäuerlichen Betriebe

Neben den massiven Ernteausfällen ist für die betroffenen Betriebe auch die finanzielle Belastung enorm. Das von der Bundesregierung beschlossene Dürre-Maßnahmenpaket mit einem Gesamtvolumen von 240 Millionen Euro bringt daher eine wichtige Entlastung.
Das Maßnahmenpaket umfasst:
  • 140 Millionen Euro Entlastung bei der Sozialversicherung: Im 4. Quartal 2026 entfallen zwei Monatsbeiträge.
  • Zusätzliche 50 Millionen Euro für die Dürreversicherung: Damit wird die Zuschusshöhe zur Dürreversicherung der Österreichischen Hagelversicherung im Jahr 2027 von derzeit 55 Prozent auf 65 Prozent angehoben.
  • 25 Millionen Euro Zinsenzuschüsse: Damit werden Betriebsmittelkredite für landwirtschaftliche Betriebe unterstützt.
  • 25 Millionen Euro für die Stundung von Agrarinvestitionskrediten.
„Diese Maßnahmen schaffen dringend benötigte Entlastung und geben den Betrieben in einer schwierigen Situation etwas Luft. Gerade in Zeiten zunehmender Wetterextreme müssen wir dafür sorgen, dass unsere bäuerlichen Familienbetriebe eine Zukunft haben und die Versorgung mit heimischen Lebensmitteln gesichert bleibt“, so Berlakovich abschließend.
 
 
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