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Imago Teil 10 – Konfliktmanagement bei Betriebskooperationen

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10.10.2026 | von DI Willi Peszt

Die Bgld. Landwirtschaftskammer ist Teil des bundesweiten Beratungsprojektes „Lebensqualität Bauernhof“, das sich zur Aufgabe gemacht hat, psychosoziale Beratung zur Verbesserung der Lebensqualität auf landwirtschaftlichen Betrieben anzubieten.

Es gibt viele betriebswirtschaftliche Gründe, die für Betriebskooperationen sprechen. Das langfristige Gelingen der Zusammenarbeit hängt aber von den beteiligten Personen ab.
Viele kennen die Situation, dass wir manche Menschen als sehr schwierig erleben, andere hingegen regen uns nicht auf. Wenn wir mit Freunden über diese „schwierigen“ Menschen sprechen, hören wir vielleicht, dass es bei ihnen umgekehrt ist, diese für uns schwierigen Menschen lassen sie kalt, sie regen sich aber vielleicht über jene Menschen auf, die uns gleichgültig sind.
 
Vielleicht hat es also auch mit uns etwas zu tun hat, mit welchen Menschen wir in schwierige Situationen gelangen. Wir können aus derartigen konflikthaften Begegnungen auch etwas über uns erfahren.
 
Es gibt verschiedene Persönlichkeitsmodelle. Achtung: Jedes Modell ist eine Vereinfachung. Kein Mensch entspricht genau einem Typ. Wir haben immer alle Anteile in uns – in unterschiedlicher Gewichtung.

Systemisches Kommunikationsmodell

Virginia Satir beschreibt in ihrem Buch „Selbstwert und Kommunikation“ vier unterschiedliche Kommunikationstypen.
  1. Rationalisierender Kommunikationstyp
  2. Beschwichtigender Kommunikationstyp
  3. Anklagender Kommunikationstyp
  4. Ablenkender Kommunikationstyp

Dabei können jeweils zwei Kommunikationstypen als Gegensätze einander gegenübergestellt werden:
  • Rationalisierender /Beschwichtigender Kommunikationstyp
  • Anklagender /Ablenkender Kommunikationstyp
Imago 10_Kommunikationstypen.jpg © Virginia Satir
Imago Teil 10_Kommunikationstypen © Virginia Satir

Oftmals zeigt sich, dass wir uns besonders schwer tun mit Menschen, die v.a. in Stresssituationen auf eine bestimmte Art kommunizieren, die das Gegenteil unseres Stressmusters ist.
Wir können uns wünschen, dass sie anders kommunizieren und ihnen das mitteilen. Möglicherweise kommen sie uns einen Schritt entgegen.
Wir können uns aber auch überlegen, ob unser Gegenüber über Fähigkeiten verfügt, die uns fehlen, und wir vielleicht etwas von ihm lernen können, anders zu reagieren, als wir es bisher gewohnt waren.
Wenn wir z.B. in einer Familie aufgewachsen sind, in der offen ausgetragene Konflikte verpönt waren, dann haben wir uns vielleicht einen ablenkenden Kommunikationsstil angeeignet. Dann fressen wir aber viel in uns hinein. Gesünder wäre es, das, was uns nicht passt, auch klar auszusprechen. Das können anklagende Kommunikationstypen hervorragend.
Wenn wir es hingegen z.B. aus unserer Herkunftsfamilie gewohnt sind, dass alles lautstark und mit Nachdruck auf den Tisch geknallt wird, können wir uns vielleicht vom ablenkenden Kommunikationstyp abschauen, dass manches eleganter mit Humor gesagt werden kann.

Analytische Persönlichkeitstypisierung

Fritz Riemann beschreibt in seinem Buch „Grundformen der Angst“ vier Lebensthemen, die Menschen grundsätzlich beeinflussen:

1. Angst vor Ich-Aufgabe
Menschen haben Angst, durch zuviel Anpassung an andere ihre Individualität zu verlieren.

2. Angst vor Ich-Werdung
Menschen haben Angst, durch zuviel Einforderung der eigenen Bedürfnisse den Kontakt zu anderen Menschen zu verlieren.

3. Angst vor Wandlung
Menschen haben Angst vor der Veränderung.

4. Angst vor Notwendigkeit
Menschen haben Angst durch strikte Regeln ihre Freiheit zu verlieren.
Imago 10_Grundformen der Angst.jpg © Fritz Riemann
Imago Teil 10_Grundformen der Angst © Fritz Riemann
Diese menschlichen Grundthemen können auch mit den Konfliktachsen Distanz/Nähe und Dauer/Wechsel beschrieben werden:
Dabei existieren folgende Extreme (Pole)
  • Distanz: Menschen brauchen viel Freiraum, wollen Entscheidungen selbst treffen
  • Nähe: Menschen brauchen eher Nähe, wollen Entscheidungen gemeinsam treffen
  • Dauer: Menschen wollen am liebsten alles so lassen, wie es sich schon lange Zeit bewährt hat
  • Wechsel: Menschen sind sehr schnell zu Veränderungen bereit
Üblicherweise ordnen sich Menschen als Mischtypen ein, die von den unterschiedlichen Polen unterschiedliche Anteile in sich entdecken.

 
Imago 10_Konfliktachsen Distanz/Nähe und Dauer/Wechsel.jpg © Fritz Riemann
Imago Teil 10_Konfliktachsen Distanz/Nähe und Dauer/Wechsel © Fritz Riemann

Wir kommen oftmals mit Menschen in schwierige Situationen, die Grundthemen haben, die gegensätzlich zu unseren sind.
z.B. Konfliktachse Dauer/Wechsel
Wenn bei einer Betriebskooperation ein Partner sehr aufgeschlossen für Neues ist, wird diese Person eher risikobereit sein (in der Nähe des Pols Wechsel).
Wenn der andere Kooperationspartner Veränderungen der bisher eingeschlagenen Betriebsausrichtung sehr skeptisch gegenübersteht, wird sie eher wenig bereit sein, zusätzliche Risiken einzugehen (in der Nähe des Pols Dauer).
Beide Partner bringen wichtige Aspekte in die Betriebskooperation ein: Es wird notwendig sein, die Veränderungen im Umfeld zu beobachten und sich ggf. darauf einzustellen. Es ist dabei aber günstig, Bewährtes zu behalten und Risiken genau abzuwägen.
 
Neben den Persönlichkeitstypen kann uns die Element-Einteilung der Traditionell Chinesischen Medizin (TCM) helfen, uns selbst und andere Menschen besser zu verstehen. Die TCM geht davon aus, dass in bestimmten Lebenssituationen einzelne Elemente die Überhand gewinnen. Dies wirkt sich auf unsere Gefühle und unser Verhalten aus.
 

Elemente der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM)

Die TCM kennt folgende Elemente, denen sie jeweils Grundbefindlichkeiten zuordnet:
Holz - Zorn
Feuer – Bemühen
Erde – Nachdenklichkeit
Metall – Trauer
Wasser – Angst
 
Imago 10_TCM.jpg © TCM
Imago Teil 10_Grundbefindlichkeiten der TCM © TCM
Nährender Kreislauf (den Kreis entlang im Uhrzeigersinn)
Kontrollierender Kreislauf (Pfeile)
  
Nährender Kreislauf
Die TCM kennt den nährenden Kreislauf: z.B. .
- Wasser nährt das Holz (z.B. Weiden wachsen gut entlang von Bächen).Auf der Ebene der Gefühle würde dies entsprechen:
- Angst nährt den Zorn.
 
Oftmals steckt Angst hinter einer Aggression. Menschen, die sich durch eine Situation bedroht fühlen, werden oft aggressiv. Vielleicht können wir mit aggressivem Verhalten unseres Gegenübers besser umgehen, wenn wir herauszufinden versuchen, wodurch es sich bedroht fühlt.
 
Kontrollierender Kreislauf
Die TCM kennt auch den kontrollierenden Kreislauf z.B:
- Wasser kontrolliert das Feuer.
Auf emotionaler Ebene würde das bedeuten:
- Angst kontrolliert das Bemühen (und auch die damit verbundene Freude).
 
Wenn wir zu viel Angst z.B. vor einer Veränderung haben, können wir uns oft nicht mehr freuen. Dann braucht es vielleicht den Zorn, der uns die nötige Energie gibt, Dinge, die veränderbar sind, auch klar von unserem Gegenüber einzufordern.

Imago-Dialoge

Harville Hendrix, Ph.D. und Helen La Kelly Hunt, Ph.D. haben die Imago Therapie und Beratung begründet.
Quelle: www.brehmsimago.eu 

„Teil 1 - Die vier Ebenen der Wertschätzung“
„Teil 2 - Die vier Schritte des Imago-Dialogs“
„Teil 3 - Die Bitte um Verhaltensveränderung“
„Teil 4 - Macht in Beziehungen konstruktiv einsetzen“
„Teil 5 - Auftanken in Beziehungen“
„Teil 6 - unbewusste Vereinbarungen“
„Teil 7 - Abschied nehmen“
„Teil 8 – Das Krokodil in unserem Kopf“
„Teil 9 – Energieverluste in Beziehungen vermeiden“
 
dieser Artikelserie sind schon im Mitteilungsblatt der Bgld. Landwirtschaftskammer erschienen und können unter www.bgld.lko.at (Lebensqualität Bauernhof Burgenland) Lebensqualität Bauernhof Burgenland | Landwirtschaftskammer Burgenland nachgelesen werden.
Viele der vorgestellten Dialoge können auch bei Gesprächen zwischen Partnern von Betriebskooperationen hilfreich sein.

Zusammenfassung:

Betriebskooperationen können manchmal auf der persönlichen Ebene „schwierig“ werden. Wen wir als „schwierig“ beurteilen, hat etwas mit uns zu tun.
Wir erleben Menschen oft als „schwierig“, die Merkmale zeigen, die wir nicht haben – aber vielleicht (unbewusst) gerne hätten.
Wenn wir versuchen, uns und unser Gegenüber besser zu verstehen, können wir uns und damit auch die Betriebskooperation weiterentwickeln.
 
Für dieses Verständnis können folgende Modelle hilfreich sein:
  • Systemisches Kommunikationsmodell
  • Analytische Grundformen der Angst
  • Elemente und Grundbefindlichkeiten der Traditionellen Chinesischen Medizin
Eine hilfreiche Form für Gespräche können Imago-Dialoge sein.
 
Dabei können Sie auch das Beratungsangebot der Landwirtschaftskammer nützen (siehe unten).
 
Welche Erfahrungen haben Sie beim Umgang mit „schwierigen“ Partnern in der Betriebskooperation gemacht? Rufen Sie mich an! Tel. 02682/702/606.

Beratungsangebote der Burgenländischen Landwirtschaftskammer

Die Burgenländische Landwirtschaftskammer unterstützt als Teil der bundesweiten Initiative „Lebensqualität Bauernhof“ landwirtschaftliche Familienbetriebe in herausfordernden Situationen.

Bäuerliches Sorgentelefon
In einer verzwickten Situation kann es helfen, mit jemandem zu sprechen, der in der bäuerlichen Lebenswelt zu Hause ist und Verständnis für Probleme hat, die in dieser Berufsgruppe und bei der abgebildeten Arbeits- und Wohnkonstellation auftreten - der gleichzeitig aber auch über das nötige psychologische Fachwissen verfügt.
Kompetente Gesprächspartner hören sich Ihre Probleme an und versuchen gemeinsam mit Ihnen Lösungsmöglichkeiten zu finden. Hier können Sie über Ihre Situation reden, hier wird Ihnen zugehört – österreichweit, anonym und vertraulich (€ 1,30/ Stunde).
Telefonnummer: 0810/676810, Montag bis Freitag von 8:30 bis 12:30 Uhr (ausgenommen an gesetzlichen Feiertagen).
 
Psychosoziales Beratungsangebot der Bgld. Landwirtschaftskammer

Die Burgenländische Landwirtschaftskammer bietet Ihnen Unterstützung in Form einer Einzel- , Paar- oder Familienberatung an oder im Rahmen einer Mediation. Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihnen eine Unterstützung helfen könnte, so scheuen Sie Sich nicht, diese auch in Anspruch zu nehmen!
Bei der Beratung werden Sie dabei unterstützt, die für Sie beste Lösung zu finden. Dies kann z.B. sinnvoll sein, wenn sich nicht alle Familienangehörigen an diesem gemeinsamen Prozess beteiligen wollen. Oder Einzelpersonen wollen für sich selber erst festlegen, was ihnen wichtig ist und was in einer Lösung geregelt werden muss, damit sie damit gut leben können.
Bei einer Mediation versuchen alle Beteiligten mithilfe der fachlichen Begleitung durch einen allparteilichen (neutralen) Mediator eine Lösung zu finden, die für alle passt. Dabei unterstützt der Mediator alle Beteiligten so, dass jeder/jede ausdrücken kann, was ihm/ihr wichtig ist. Falls dies jemandem sprachlich schwerer fällt, kann der Mediator die Darstellung durch Formulierungsvorschläge unterstützen ohne den Sachverhalt oder die Aussage zu verändern. Der Mediator bleibt auch hier neutral.
Die Voraussetzung für die Mediation ist, dass alle Beteiligten an diesem Prozess interessiert sind. Es besteht die Chance, dass dabei Lösungen gefunden werden, an die im Vorfeld niemand gedacht hat. Die getroffenen Vereinbarungen halten, weil sie gemeinsam erarbeitet wurden.
Eine genaue Beschreibung dieses Angebots finden Sie unter: www.bgld.lko.at (Lebensqualität Bauernhof Burgenland) Lebensqualität Bauernhof Burgenland | Landwirtschaftskammer Burgenland

Kontakt:
DI Willi Peszt, Psychotherapeut, Imago-Therapeut i.A.u.S.,
Diplom-Sozialpädagoge und zertifizierter Mediator
Burgenländische Landwirtschaftskammer
Esterhazystr. 15; 7000 Eisenstadt,
Tel. 02682/702/606, E: willi.peszt@lk-bgld.at
 

Kontakt

  • Willi Peszt
    DI, Dipl. Sozialpädagoge, zert. Mediator Willi Peszt, Psychotherapeut
    Esterházystraße 15
    7000 Eisenstadt

    willi.peszt@lk-bgld.at
    T 02682/702-606
    F 02682/702-690
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