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Heimischer Ackerbau am Limit

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15.07.2026 | von Michaela Tesch-Wessely

Getreideerntebilanz 2026: Die Qualität der Ernte ist gut, aber die Menge ist unterdurchschnittlich und der Preis schlecht.

PK Getreideernte_Berlakovich_Falb-Meixner_Portschy_(c)LKBgld_Tesch-Wessely.jpg © LKBgld_Tesch-Wessely
Der Präsident der Landwirtschaftskammer Burgenland, Nikolaus Berlakovich, gemeinsam mit dem LK-Vizepräsidenten Werner Falb-Meixner und der LK-Pflanzenbauausschussvorsitzenden, Maria Portschy, schlagen Alarm im Ackerbau. © LKBgld_Tesch-Wessely
Auf Einladung der Burgenländischen Landwirtschaftskammer findet jedes Jahr mit Vertretern des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, der Agrarmarkt Austria, Regionen und Wasserwirtschaft, dem Landesproduktenhandel, den Lagerhausgenossenschaften, Bio Austria, der Hagelversicherung, Bundesamt für Ernährungssicherheit (BAES), Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) und Vertretern anderer Landwirtschaftskammern, ein Erntegespräch statt. Gemeinsam werden die bisherigen Ernteergebnisse analysiert und die heurigen Ernteerwartungen sowie Herausforderungen im Ackerbau für das Burgenland und auch Österreich diskutiert.
„Während im Seewinkel und in den Bezirken Eisenstadt, Mattersburg und Oberpullendorf die Ernte beinahe abgeschlossen ist, warten im Südburgenland noch rund 20 Prozent der Getreideflächen darauf, gedroschen zu werden. Nach aktuellem Stand rechnen wir heuer mit Ertragseinbußen von bis zu 20 Prozent und darüber hinaus. Die Erntemenge ist unterdurchschnittlich und die Preissituation ist schlecht. Unterm Strich kann man sagen, dass sich der Ackerbau am Limit befindet. Die Ackerbäuerinnen und Ackerbauern kämpfen um ihre Existenzen und brauchen Unterstützung“, betont der Präsident der Landwirtschaftskammer Burgenland, Nikolaus Berlakovich, gemeinsam mit dem LK-Vizepräsidenten Werner Falb-Meixner und der LK-Pflanzenbauausschussvorsitzenden, Maria Portschy, bei einem Pressegespräch in Neustift an der Lafnitz.
 

Zweitfrüheste Getreideerntestart seit über 20 Jahren

Die Getreideernte im Burgenland begann heuer bereits am 9. Juni. Damit war es der zweitfrüheste Erntebeginn seit 2003 – lediglich 2007 wurde die Ernte mit dem 8. Juni um einen Tag früher gestartet. Während bei der Wintergerste sowohl die Qualität als auch der Ertrag noch gut ausgefallen sind, fällt beim restlichen Getreide, wie Winterweichweizen, die Menge und Erträge unterdurchschnittlich aus. Die Schätzungen liegen bei rund 246.000 Tonnen, das sind fast 20 Prozent weniger als im Vorjahr und liegt im langjährigen Durchschnitt der Erntemenge im hinteren Drittel“, so Berlakovich. Aufgrund der geringen Getreideernte sind die Produktionskosten viel höher als die Erlöse, damit haben die Bauern ein Defizit pro Hektar. Und das mittlerweile schon ein paar Jahre, denn seit 2024 sind die Preise für Getreide im Keller. Wenn die Landwirtinnen und Landwirte keine Unterstützung bekommen, werden viele Betriebe aufhören und auf lange Sicht gesehen, steht unsere Versorgungssicherheit auf dem Spiel.“

Weniger Getreideflächen im Burgenland

Insgesamt werden im Burgenland von den rund 155.000 Hektar Ackerflächen, 56.140 Hektar Getreide bewirtschaftet. Der gesamte Getreideanbau ist im Vergleich zum letzten Jahr um 2,3 Prozent (rund 1.300 ha) gesunken. „Große Flächenzuwächse gab es heuer nur beim Winterroggen (+ 890 ha), bei Körnermais (+670 ha) und den Ölsaaten (+ 1.077 ha), davon Winterraps (+360 ha), Ölkürbis (+53 ha) und Sonnenblume (+700 ha). Die Anbaufläche bei Winterraps ist - nach dem Rückgang der letzten Jahre – wieder um 360 Hektar auf 2.800 Hektar gestiegen. Die Flächenverlierer sind Winterweichweizen (-1.470 ha), Sommergetreide (-700 ha) und Eiweißpflanzen mit einem Rückgang von 1.460 ha, davon Körnererbse (-340 ha) und Sojabohne (-1.070 ha). Die Zuckerrübenfläche reduzierte sich um etwa 250 ha (-14%) und liegt mit 1.570 Hektar auf einem historischen Tiefstand“, erläutert Berlakovich. Auch wenn die gesamte Sojabohnenfläche 2026 um etwa 1.070 ha (- 4,3 %) zurückgegangen ist, bleibt sie mit rund 24.150 ha nach wie vor die flächenmäßig zweitwichtigste Ackerkultur im Burgenland.

Anzahl der Bio-Betriebe im ÖPUL-Umweltprogramm gestiegen

Bereits seit über 30 Jahren besteht das Österreichische Agrarumweltprogramm (ÖPUL), welches die freiwilligen Umweltleistungen der Bäuerinnen und Bauern unterstützt - und setzt damit europaweit Maßstäbe. „Im Burgenland nehmen rund 86 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe am ÖPUL-Programm teil. Die Anzahl der Bio-Betriebe im ÖPUL hat sich im Vergleich zum Vorjahr um 37 neue Betriebe erweitert, somit nehmen 1.279 burgenländische Bio-Betriebe am ÖPUL teil“, hebt LK-Vizepräsident Werner Falb-Meixner hervor. „Die tatsächliche Anzahl aller Bio-Betriebe im Burgenland ist jedoch höher, da etwa 8 bis 10 Prozent nicht an der Maßnahme BIO des Agrarumweltprogramms teilnehmen. Entweder weil Sie zu kleine Flächen haben oder z.B. Bio-Imker ohne landwirtschaftliche Flächen sind“, so Falb-Meixner.

Zu hohe Temperaturen und zu wenig Niederschlag

Die Witterung war im bisherigen Vegetationsjahr von unterdurchschnittlichen Niederschlägen geprägt. Während es im Herbst 2025 noch einzelne ergiebige Regenereignisse gab, verliefen insbesondere die Monate Jänner bis April 2026 außergewöhnlich trocken. Der Frühling 2026 (März bis Mai) war österreichweit der trockenste seit Beginn der Messgeschichte. Das Niederschlagsdefizit lag im Mittel bei rund 50 Prozent gegenüber dem Klimamittel 1991–2020. Besonders extrem war der April 2026: im Burgenland wurden laut GeoSphere Austria Niederschlagsdefizite von etwa 70 bis 85 Prozent gegenüber dem langjährigen Mittel festgestellt. Erst im Mai und Anfang Juni sorgten mehrere Niederschläge für eine leichte Entspannung. „Trotz dieser Regenfälle blieb die Niederschlagssumme jedoch unter dem langjährigen Durchschnitt, was die Bestände insbesondere auf leichten Böden belastete. Dazu kommt, dass es im Juni noch nie so viele Hitzetage gegeben hat und auch in den Nächten kühlte es kaum ab. Unterm Strich kann man sagen, dass es im gesamten Burgenland viel zu wenig Niederschlag gab. Die aktuelle Situation zeigt deutlich: Bleibt der Regen aus, drohen insbesondere bei Mais, Soja, Sonnenblumen und Zuckerrüben erhebliche Ertragseinbußen sowie Qualitätseinbußen“, merkt Maria Portschy, Landwirtin aus Podler und LK-Pflanzenbauauschussvorsitzende, an.

GAP 2028: Österreich kämpft für starke Agrarpolitik und Planungssicherheit

Die Verhandlungen über die künftige Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU für den Zeitraum 2028 bis 2034 sind in vollem Gang. Die Europäische Kommission hat umfassende Änderungen vorgeschlagen, darunter eine neue Struktur und eine stärkere Bündelung bisher getrennter EU-Fonds. Die konkrete Ausgestaltung wird derzeit auf EU-Ebene verhandelt. „Für uns ist klar: die GAP nach 2028 entscheidet darüber, ob Europa auch künftig auf eine starke eigene Lebensmittelproduktion setzen kann. Daher brauchen wir eine eigenständige, zweckgebundene Finanzierung der GAP (im Mehrjährigen Finanzrahmen (MFR)). Außerdem braucht es eine ausreichende Dotierung der GAP mit Inflationsanpassung. Österreich braucht eine starke gemeinsame Agrarpolitik mit einem eigenständigen Budget, weniger Bürokratie und einer fairen Abgeltung jener Leistungen, die unsere Bäuerinnen und Bauern für Gesellschaft, Umwelt und Versorgungssicherheit erbringen. Die gemeinsame Agrarpolitik war bisher erfolgreich. Die Menschen haben hochqualitative Lebensmittel zu leistbaren Preisen bekommen und die Bauern haben gleichzeitig auf eine umweltfreundliche Produktion geachtet. Dieses System wird von der Kommission jetzt zerstört. Statt die Bäuerinnen und Bauern zu stärken, gefährdet die EU-Kommission die Basis einer nachhaltigen und regionalen Lebensmittelproduktion. Damit wird nicht nur die Landwirtschaft geschwächt – sondern die europäische Ernährungssicherheit als wichtiger strategischer Sektor insgesamt. Der aktuelle Vorschlag der Kommission ist kein Modernisierungsschritt, sondern ein gefährlicher Angriff auf die europäische Agrarpolitik. Österreichs Landwirtschaft braucht Stabilität und Planungssicherheit – keine politischen Experimente auf Kosten unserer Bäuerinnen und Bauern.“
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