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Harnstoff über das Blatt düngen

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29.05.2026 | von DI Josef Springer

Bei der Harnstoffdüngung über Blatt und Ähre bei Winterweizen steht die Vermeidung von Verätzungen (Blattverbrennungen) bei gleichzeitiger Erhöhung des Rohproteingehalts im Vordergrund.

Weizenblüte.jpg © DI Schally
© DI Schally
  • Optimaler Zeitraum zur Unterstützung der Proteinbildung ist das Stadium Mitte Ährenschieben bis etwa eine Woche nach der Blüte (Trockengebiet) bzw. zwei Wochen nach der Blüte (Feuchtgebiet)
  • Die Harnstoffaufnahme über das Blatt erfolgt nur aus der wässrigen Lösung; eingetrockneter Harnstoff ist nicht aufnehmbar
  • Anwendung in den frühen Morgenstunden (falls Bestand überwiegend trocken und nicht tropfnass durch Tau ist) oder am späten Abend. Vermeiden Sie pralle Sonne und Mittagshitze, da die Tropfen sonst zu schnell eintrocknen
  • Konzentrationen bis 8% (8 kg geprillter Harnstoff in 100 Liter Wasser) werden als recht pflanzenverträglich beschrieben, manche Literaturangaben reichen bis 10%
  • Bei angenommen 200 Liter Wasser je Hektar sind das ca. 15 bis 20 kg Harnstoff bzw. etwa 7 bis 9 kg Stickstoff je Hektar. Mögliches Proteinplus bei guter Wirkung etwa +0,2%
  • Eine Blattdüngung mit Harnstoff kann somit lediglich unterstützend wirken und nicht eine Qualitätsgabe über den Boden ersetzen
  • Meist wird Harnstoff im Zuge einer Pflanzenschutzmaßnahme mit ausgebracht (z.B.: Abreifeschutz)
  • Die Zugabe eines Netzmittels kann die Harnstoffaufnahme in die Blätter verbessern
  • Die Harnstoffaufnahme über Blatt/Ähre kann bei ausgeprägter Trockenheit beeinträchtigt sein
 
Eine Ergänzung mit Schwefel bei der Harnstoff-Blattdüngung im Winterweizen ist möglich und bei höheren Ertragserwartungen und bisheriger Anwendung schwefelfreier Düngemittel empfehlenswert. Der Schwefel verbessert die Stickstoffeffizienz und ist entscheidend für den Aufbau schwefelhaltiger Proteinbausteine (insbesondere die Aminosäuren Cystein und Methionin). Schwefelsaures Ammoniak (SSA) / Ammoniumsulfat und Bittersalz sind der Praxisstandard: Beide sind sehr gut wasserlöslich und SSA liefert neben Schwefel (ca. 24% S) auch Ammoniumstickstoff (ca. 21% N). Wenn ca. 15–20 kg Harnstoff (7 bis 9 kg N) mit ca. 2 kg SSA (ca. 0,5 kg S) oder 4 kg Bittersalz ausgebracht werden, entspricht dies ca. dem "N:S- Verhältnis" des Weizenkorns.
 
Reihenfolge beim Anmischen
Da sich Harnstoff endotherm auflöst (Wasser wird kälter), ist die Reihenfolge im Spritztank entscheidend, um Klumpen und Filterverstopfungen zu vermeiden:
  • Den Spritztank zu ca. 2/3 mit Wasser füllen und das Rührwerk einschalten
  • Schwefel zuerst: Das schwefelsaure Ammoniak (SSA) oder Bittersalz als erstes bei laufendem Rührwerk einstreuen und vollständig auflösen
  • Harnstoff dazugeben: Erst danach den festen Harnstoff langsam hinzugeben. Durch das Rührwerk wird ein Festsetzen am Tankboden verhindert
  • Optionale Pflanzenschutzmittel: Falls eine Abschlussbehandlung (z.B. Ährenfungizid) geplant ist, wird dieses ganz zum Schluss in die bereits abgekühlte Lösung gegeben
  • Den Tank mit dem restlichen Wasser auf das Zielvolumen auffüllen
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