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Die Bedeutung der Gehölze in Ernährung und Land(wirt)schaft
Seminar-Rückblick mit Ausblick
Der Blick in unsere Vergangenheit zeigt, dass der Wald, sein Laub und seine Früchte Landwirtschaft überhaupt erst möglich machten. Bäume und Sträucher waren in die Wiesen- und Weidewirtschaft integriert und lieferten wertvolles, mineralstoffreiches Futter für das Vieh.
Heute ist diese Tatsache kaum noch bekannt und auch die Gehölze, die damals landwirtschaftlich genutzt wurden, sind weitestgehend aus der Landschaft verschwunden.
Die moderne Landwirtschaft stößt zunehmend an Grenzen. Aktuell sorgt eine ausgeprägte Dürre für Futterknappheit. Das Interesse an altem Gebrauchswissen und an früheren Landnutzungsformen steigt. Kann Laubfutter eine „Trockenheitsversicherung“ in Dürrezeiten darstellen?
Bäume schaffen nicht nur wertvolle Strukturen und Lebensräume, sie tragen auch wesentlich zu kleinen Wasserkreisläufen und zur Klimaregulierung bei. Laub und Früchte sind bedeutende Nahrungs- und Einnahmequellen.
Michael Machatschek trägt dieses Wissen seit Jahrzehnten zusammen, konnte viel Erfahrung sammeln und schenkte uns am 5. Mai 2026 in einem Seminar interessante Einblicke in eine längst vergessene Land-Bewirtschaftung. Fortsetzung folgt!
Schneitelbäume
Schneitelbäume (spezielle Baumerziehung für die Triebnutzung zur Fütterung) sind die Stars der Luftwiesenwirtschaft. Die Multifunktionstalente Baum und Strauch befestigen den Boden, lenken den Wind, beschatten und liefern Nahrung. Michael Machatschek faszinierte uns mit seinen interessanten Ausführungen.
Maulbeerbaum mit Schneitelschnitt
Die trockenheitstolerante Maulbeere wurde für das menschliche Maß erzogen. Sie ist ohne Geräte besteigbar und beerntbar. Junge, wenig verholzte, einjährige Triebe werden jährlich geschnitten und – frisch oder getrocknet – verfüttert. Der Neuaustrieb bringt mehr Laub mit größeren und schmackhafteren Blättern hervor. Der Schnitt steigert den Ertrag und verlängert das Leben der Bäume, die sich permanent selbst verjüngen!
Wir schützen, was wir schätzen!
Baumlaub kann vielfältig genutzt werden.
Einst:
- Decken- und Polsterfüllung
- Mineralstoffreiches Tierfutter, Medizin und Notnahrung
- Einstreu
• Toilettenpapier (Linde)
Einst und jetzt:
Erfahrungsaustausch vor dem Bildhauerhaus
In malerischer Umgebung im Bildhauerhaus am Koglberg in St. Margarethen trafen Interessierte zum Austausch zusammen.
Beweidungsprojekt
Beweidungsprojekt zur Wiederherstellung und Erhaltung der Trockenrasen am Koglberg mit Angus-Rindern. Die Begehung der Weidefläche war sehr aufschlussreich!
Gehölze als Futterquelle, Schattenspender, Bodenfestiger und biodiverser Lebensraum
Weidewirtschaft ist die beste Naturschutzmaßnahme. Tierische Ausscheidungen fördern Lebensgemeinschaften wie z. B. zwischen Pilzen und Pflanzen (Mykorrhiza).
Kuhfladen als Lebensspender, Nahrungsquelle und Lebensraum.
In den natürlichen Vertiefungen entstehen bei Regen kleine Lacken, die die Verrottung fördern.
Der Hecken- und Baumschnitt
Das richtige Maß ist entscheidend, sowohl beim Rückschnitt als auch beim „auf den Stock setzen“ zur Verjüngung.
- einst bäuerliche Laubnutzung
- jetzt teure abfallproduzierende Pflegearbeit
Potenzial: Doppelnutzung Weide + Schneitellaub
Schnittgut ist nützliche Schutzzone für Kernwuchs – auflaufende verholzende Jungpflanzen
Es sollte nahe an Gehölzstrukturen abgelegt werden, um keine Weidefläche zu verlieren.
aromatische Steinweichsel
Die Steinweichsel wurde wegen ihres robusten Holzes für Gehstecken und Tabakpfeifen genutzt. Das Laub enthält Blausäurederivate und entfaltet im Mund beim Kauen ein Amaretto-Aroma.
Weißdorn verbissen
Mit frühzeitigem hohem Beweidungsdruck können Büsche und Bäume auf Weiden zurückgedrängt werden. Der offene Hutweidecharakter kehrt zurück.
Vergleich der Blätter junger und alter Triebe
Junge Triebe bringen schmackhafte bekömmliche Blätter hervor und werden deshalb bevorzugt von Rindern gefressen. Überaltert der Gehölzbestand verbuscht die Weide.
Der Referent:
DI Dr. Michael Machatschek
Spezialist für die Nutzung wildwachsender Pflanzen, das Gebrauchswissen und alte Landnutzungsformen von diesen Pflanzen, Landschaftsökologe, Hirte und Senn, freiberuflicher Forscher, Lehrer, Landschafts- und Freiraumplaner, Vegetationskundler, Gutachter, Berater und Buchautor von z. B. „Nahrhafte Landschaft“.
Literaturtipps vom Autor:
- Hecken: Geschichte und Ökologie; Anlage, Erhaltung und Nutzung
- Laubgeschichten: Gebrauchswissen einer alten Baumwirtschaft, Speise- und Futterlaubkultur
- Fermentieren von Wildpflanzen: Neue Praxis und Kultur einer altbewährten Konservierungsmethode
- Speisekammer aus der Natur: Bevorratung und Haltbarmachung von Wildpflanzen
• Nahrhafte Landschaft: Ampfer, Kümmel, Rapunzelgemüse, Speiselaub und andere wiederentdeckte Nutz- und Heilpflanzen
- Nahrhafte Landschaft 3: Von Baumwässern, Fetthennen, Schaum- und Springkräutern, Ohrenpilzen, süßen Eicheln, Kranawitt und anderen wiederentdeckten Nutz- und Heilpflanzen
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- Nahrhafte Landschaft 4: Von Ferkelkräutern, Wiesenknopf, Ziegenmilch, Ruchgras, Rasch, Birnmehl, Kraterellen und anderen wildwachsenden Nutzpflanzen
- Wie viele Arten braucht der Mensch? Eine Spurensuche Grüne Reihe des Lebensministeriums, Band 22
- Das Knopfkraut: Ein „Teufelskraut“ erobert Gärten, Äcker und unsere Küchen
Resümee
Der Blick über den Tellerrand erweitert den Horizont. Der Blick in die Vergangenheit inspiriert für die Zukunft. Danke Michael für deine bereichernden Ausführungen. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen!