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Aktuelle Pflanzenschutzinformationen Nr. 11/2026

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05.05.2026 | von DI Hubert Köppl

5. Mai 2025

WW Ernestus.jpg © LK OÖ/Köppl
Die WW-Sorte Ernestus zeigt auf Grund der Witterung (Kälte/Hitze, Trockenheit) DTR-ähnliche Flecke. © LK OÖ/Köppl

Winterweizen-Krankheitssituation

Am 4.5. wurde die nächste WW-Bonitur bei 32 Proben im Rahmen des Warndienstes durchgeführt. Die Bestände befinden sich Großteiles zwischen dem Stadium 32/33 und 37. Das Fahnenblatt war noch bei keiner Probe voll ausgebildet. Auf den Sorten Tiberius und RGT Reform sind Reaktionen auf die Kälte der letzten Wochen zu sehen - die Flecke sind anfangs gelb und werden später braun. Auf der Sorte Ernestus sind kleine braune Sprenkelungen zu sehen, die ebenfalls sortentypisch sind und von keiner Krankheit stammen – sie ähneln den Symptomen von DTR.

Fraßspuren des Getreidehähnchenkäfers sind weiterhin zu sehen, aber wurden seit der letz-ten Bonitur nicht mehr und auch die Eier des Käfers haben nicht zugenommen. Vereinzelt sieht man Larven der Getreideminierfliege. Wirtschaftliche Schadensschwellen wurden aber bei weitem nicht überschritten.
WW-gelbe Spitzen Tiberius 2.jpg © LK OÖ/Köppl
Die Sorten RGT Reform und Tiberius zeigen auf Grund der Witterung Blattaufhellungen von der Spitze her. © LK OÖ/Köppl
WW-S.tritici 11.jpg © LK OÖ/Köppl
S.tritici tritt heuer kaum auf © LK OÖ/Köppl
Vorläufige Empfehlung
Der Befall mit Krankheiten ist weiterhin sehr gering. Eine Prognose kann unter www.warndienst.at abgerufen werden. Eine Behandlung wird bis zum Vorliegen der Laboranalyse nicht empfohlen. Auf Grund der optisch geringen Befälle wird aus jetziger Sicht – ohne den Laborergebnissen vorzugreifen – eine Behandlung erst wahrscheinlich im voll ausgebildeten Fahnenblatt notwendig werden, insbesondere wo bereits eine Vorlage erfolgt ist.

Wenn die Ähre mind. 4 cm lang ist – das ist aber vielfach noch nicht der Fall – können im Fahnenblattstadium auch wieder Herbizide eingesetzt werden. Gegen Distel (z.B. mit 1,5 l/ha Dicopur M zur Unterdrückung, 37,5 g/ha Express SX), gegen Klettenlabkraut (z.B. mit 0,7-0,9 l/ha Tomigan 200 bzw. 0,7 – 0,9 l/ha Tandus, 1,0 l/ha Tomigan XL, 0,25 l/ha Pixxaro EC, 50 g/ha Pointer Plus, 100 ml Saracen, 25 g/ha Saracen Max, 0,8-1,0 l/ha Zypar), gegen Klettenlabkraut und bei breiterer Verunkrautung inkl. Kamille und Ampfer mit 1,25 l/ha Ariane C erfolgen. Bei wuchsstoffhältigen Produkten sollen die Nachttemperaturen nicht unter 8 °C fallen. Eine Bekämpfung von Ungräsern (Ackerfuchsschwanzgras, Weidelgräser) zu diesem Zeitpunkt zeigt nur mehr eingeschränkte Wirkung und wird aus Gründen der Resistenzbildung nicht mehr empfohlen.

In Anbetracht der aktuellen Trockenheit, sollte man einen Wachstumsreglereinsatz im Fahnenblatt nur bei sehr üppigen Beständen (dichter Bestand, gute Nährstoffversorgung, lageranfällige Sorte) in Erwägung ziehen.
WG Ramularia.jpg © LK OÖ/Köppl
Ramularia findet man aktuell nur im unteren Blattbereich © LK OÖ/Köppl

Wintergerste

Auch hier ist der Krankheitsdruck auf Grund der Trockenheit sehr gering. Im unteren Blattbereich findet man Symptome von Ramularia-Blattflecken, erkennbar an den kleinen, länglichen, braunen von den Blattadern begrenzten Flecken mit deutlich gelbem Rand. Zur Sporulation braucht der Pilz taufeuchte Nächte. Die in der Regel massiv vorhandenen Sporen landen dann auf den Blättern und keimen dort schon bei Taufeuchten aus. Bei intensiver Sonneneinstrahlung zerstören die Gifte des Pilzes das Gewebe von Blättern, Halmen und Grannen. Bekämpfungsschwellen sind bei Ramularia nicht bekannt. In den letzten Jahren war eine Behandlung in Oberösterreich rentabel.

Individuell kann man seinen Bestand bei den anderen Erregern auch selbst beurteilen, man nimmt 30 Pflanzen und bonitiert die einzelnen Krankheiten. Bei gitterartigen Netzflecken ist die Grenze 20 % Befallshäufigkeit auf den obersten vier Blättern (ab BBCH 39 auf F-3 oder F-2 beurteilen, das sind das dritte und das vierte Blatt von oben), die Bekämpfungsschwelle bei aktuellem Mehltaubefall mit weißen, abwischbaren Pusteln besteht bei 50 % Befallshäufigkeit, bei Rhynchosporium Blattflecken bei 50 % Befallshäufigkeit, bei kleinen rostroten Zwergrostpusteln 30 % Befallshäufigkeit auf den Blättern des Haupttriebes.
Bei einer Behandlung soll diese spätestens bis zum Ende des Grannenspitzens (BBCH 59) durchgeführt werden, die Grannen dürfen sich noch nicht umgelegt haben. Ramularia wird mit dem Kontaktwirkstoff Folpet am effizientesten ab Grannenschieben (ES 51) erfasst. In der Praxis hat man gesehen, dass der Wirkstoff Folpet (z.B. in 1,5 l7ha Folpan 500 SC bzw. Multivo oder 1,5 l/ha Amistar Max - enthält zusätzlich den Wirkstoff Azoxystrobin) die beste Wirkung hat. Schwefelhältige Fungizide (z.B. Thiovit Jet, 6 kg/ha) haben in Gerste nur eine Zulassung gegen Mehltau und sind in den Versuchen etwa 200 bis 300 kg unter der Ertragsabsicherung durch Folpet gelegen. Die genannten Produkte entfalten ihre beste Wirkung nur in Mischung mit starken Carboxamid-Azolkombinationen (z.B. Ascra Xpro, Elatus Era, Input Xpro, Revytrex, Avastel-Pack).

Folpethältige Produkte können mit carboxamidhältige Kombinationen wie 1,2 l/ha Ascra Xpro, 1 l/ha Elatus Era, 1,25 l/ha Input Xpro (v.a. bei zusätzlich Mehltau), 1,5 l/ha Revytrex, 2,25 l/ha Avastel-Pack (1,5 l/ha Pioli + 0,75 l/ha Soratel), 1,25 l/ha Variano Xpro ausgebracht werden. Möglich sind auch 1 l/ha Balaya bzw. 1,25 l/ha Delaro Forte oder 1 l/ha Daxur - wenn diese bereits im BBCH32/39 vorgelegt wurden, soll aus Resistenzgründen ein Produkt mit einem anderen Azolwirkstoff gewählt werden (siehe Download). Folpet ist ein Kontaktwirkstoff, der bei starken, langanhaltenden Niederschlägen abgewaschen werden kann. Auch hier gilt, dass aus resistenzvorbeugenden Gründen Carboxamide und Strobilurine nur einmal eingesetzt werden sollen.
Mais - Weißer Gänsefuß.jpg © LK OÖ/Köppl
Weißer Gänsefuß im Mais läuft bereits stark auf. © LK OÖ/Köppl

Mais

In Anbetracht der Trockenheit soll mit einer Unkrautbekämpfung noch zugewartet werden. Nach Niederschlägen werden noch viele Unkräuter auflaufen. Wo Adengo geplant ist, sind Gänsefußgewächse und Hirse neben der Trockenheit die begrenzenden Faktoren. Hat Weißer Gänsefuß bereits vier echte Laubblätter entwickelt, dann muss zu einer ausreichenden Bekämpfung 0,3 l/ha Dicamba-Produkt beigemengt werden. In den nächsten Tagen wäre dann ein Niederschlag nötig, optimal wären 10 mm. Haben Unkrauthirsen mehr als 2 Blätter ausgebildet, dann muss auf ein anderes Produkt gewechselt werden, da aus Verträglichkeitsgründen keine Beimengung eines gräseraktiven Sulfonylharnstoffes empfohlen werden kann.

Soja

In Anbetracht der Trockenheit wird keine Vorauflaufbehandlung mehr empfohlen – außer wo bekanntermaßen ALS-resistenter Amaranth auftritt (keine Wirkung mehr von Harmony SX bzw. Pulsar 40/Pulsar Plus).
Erdmandelgras.jpg © LK OÖ/Köppl
Erdmandelgras tritt auch in Oberösterreich vereinzelt stärker auf. © LK OÖ/Köppl

Erdmandelgras

Seit voriger Woche hat das Produkt Permit (ALS-Wirkstoff Halosulfuron) eine Zulassung im NA-Verfahren in Mais (40 g/ha plus Netzmittel z.B. 0,1 l/ha Silwet Top oder 0,25 l/ha Trend 90), Sorghumhirse (30 g/ha plus Netzmittelzusatz) und Ölkürbis 30 g/ha (Netzmittelzusatz fördert zwar die Wirksamkeit, verringert aber auch die Verträglichkeit).
  • Das Produkt darf nur einmal in drei Jahren auf derselben Fläche eingesetzt werden, ein Einsatz darf nur mit 90%-abdriftmindernder Technik erfolgen und hier ist ein Abstand von 20 m zu Oberflächengewäs-sern einzuhalten.
  • Ein Einsatz auf abtragsgefährdeten Flächen ist nicht erlaubt.
  • Zusätzlich gibt es die Auflage: Mögliche Schäden aufgrund mangelnder Wirksamkeit oder Schäden an der Kultur liegen im Verantwortungsbereich des Anwenders. Vor dem Mitteleinsatz ist daher die Pflanzenverträglichkeit und Wirksamkeit unter den betriebsspezifischen Bedingungen zu prüfen.

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