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Agrarjahr 2026 – Jahr der Entscheidungen

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03.02.2026 | von Michaela Tesch-Wessely

LK Burgenland fordert Planungssicherheit in der EU-Agrarpolitik, stärkt Bäuerinnen und Jugend und modernisiert eigene Strukturen

PK Agrarjahr 2026 .jpg © LKBgld/Tesch-Wessely
Hannah Bruckner und Maximilian Weiss; Landesleiter-Stv. und Landesleiter der Landjugend Bgld., LK-Vizepräsident Werner Falb-Meixner, LK-Präsident Nikolaus Berlakovich, Landesbäuerin Christine Riepl und Kammerdirektor Martin Burjan blicken entschlossen auf das Agrarjahr 2026. © LKBgld/Tesch-Wessely
Die Landwirtschaftskammer Burgenland blickt entschlossen auf das Agrarjahr 2026. Zentrale europäische Weichenstellungen, globale Handelsfragen, interne Zukunftsprozesse sowie die Stärkung von Bäuerinnen und Jugend stehen dabei im Mittelpunkt.

EU-Agrarpolitik, Handel und Wettbewerbsfähigkeit

LK-Präsident Nikolaus Berlakovich, der auch 1. Vizepräsident des EU-Bauernverbandes Copa ist, nahm zu den aktuellen und kommenden agrarpolitischen Herausforderungen auf EU-Ebene Stellung. Insbesondere die geplante Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ab 2028 sowie der nächste Mehrjährige Finanzrahmen (MFR) seien für die bäuerlichen Betriebe von entscheidender Bedeutung. Während das EU-Budget stark steigt, wird die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) um 20 Prozent gekürzt. Außerdem soll die GAP aufgelöst werden und in einem sogenannten „Single Fund“ verwaltet werden. Das ist inakzeptabel. Aus diesem Grund hat die Copa auch eine der größten Bauerndemonstrationen mit über 10.000 Teilnehmern in Brüssel organisiert. „Für uns ist klar: Eine starke, eigenständige GAP mit ausreichendem Budget ist unverzichtbar für die Versorgungssicherheit, den ländlichen Raum und unsere Familienbetriebe“, betont LK-Präsident Nikolaus Berlakovich. „Die derzeitigen Diskussionen in Brüssel lassen jedoch befürchten, dass agrarische Kernanliegen unter Druck geraten. Das werden wir nicht akzeptieren.“ Auch CBAM und steigende Düngerkosten sowie die Auswirkungen internationaler Handelsabkommen standen im Fokus. „Die europäischen Standards sind sehr hoch. Diese müssen auch für Importprodukte gelten. Sonst verlieren unsere Betriebe ihre Wettbewerbsfähigkeit“, so Berlakovich. Die Düngerpreise sind in den letzten Jahren stark gestiegen. Seit kurzem gibt es auch Zölle auf Dünger und zusätzlich kommt auch der CBAM (Carbon Border Adjustment Mechanism) - ein CO₂-Grenzausgleichsmechanismus -  hinzu. CBAM soll sicherstellen, dass Importdünger dieselben CO₂-Kosten tragen, damit heimische Landwirte nicht benachteiligt werden. „Neben aufrechten Importzöllen führt auch der neue CO₂-Grenzausgleichsmechanismus zu einem Preisanstieg bei den Düngemitteln, die mittlerweile bis zu 30 Prozent der Produktionskosten ausmachen. Diesem Kostenanstieg müssen wir gezielt entgegenwirken und fordern daher eine temporäre Aussetzung des CBAM-Mechanismus auf Dünger, um die Wettbewerbsfähigkeit unserer EU-Landwirtschaft aufrecht zu erhalten“, erklärt Berlakovich, der sich auch gegen Wettbewerbsverzerrungen durch Importe aus Drittstaaten ausspricht. „Agrarprodukte aus dem Ausland müssen denselben hohen Produktionsstandards unterliegen wie heimische Erzeugnisse – inklusive wirksamer Kontrollen bei der Einfuhr.“
 

Mercosur bleibt weiterhin Risiko für die Landwirtschaft

Das EU-Mercosur-Abkommen ist derzeit noch nicht rechtlich in Kraft. Auch 2026 bleibt die Lage für die Landwirtschaft unsicher, da eine vorläufige Anwendung einzelner Handelsteile möglich ist, während verbindliche Umwelt-, Tierwohl- und Sozialstandards weiterhin fehlen. Für die Landwirtschaftskammer Burgenland ist klar: Solange keine gleichen Produktionsbedingungen und wirksame Kontrollen gewährleistet sind, stellt Mercosur ein erhebliches Risiko für bäuerliche Familienbetriebe und die Versorgungssicherheit dar. LK-Vizepräsident Werner Falb-Meixner erklärt: „Dieses Abkommen bringt massive Risiken für unsere Rinder- und Ackerbaubetriebe. Nachhaltigkeit darf kein Schlagwort bleiben, sondern muss auch im Handel gelten.“ Falb-Meixner verwies zudem auf die Demonstrationen der Landwirtschaft im vergangenen Jahr und heuer im Burgenland sowie auf die internationale Zollpolitik: „Die Proteste haben gezeigt, dass die Geduld der bäuerlichen Familienbetriebe am Ende ist. Zusätzliche Zölle und handelspolitische Unsicherheiten verschärfen die Situation weiter. 2026 muss ein Jahr der Fairness werden – gegenüber jenen, die unsere Lebensmittel produzieren.“
 

Praxisnahe Umsetzung der EU-Entwaldungsverordnung (EUDR)

Die EUDR soll nun – nach einer weiteren Verschiebung - erst Ende 2026 in Kraft treten. Anstatt den Regenwald zu schützen, werden die österreichischen und europäischen Bauern mit großer Bürokratie belastet. Jene Bauern, die Rinder halten, Holz schlägern oder Sojabohne anbauen, müssen auf diesen Flächen mit Geodaten jährlich nachweisen, dass auf diesen Flächen kein Wald gerodet wurde. Bis 30. April 2026 soll die EU-Kommission weitere entscheidende Vereinfachungen vorlegen. „Die angekündigten Verschiebungen und Erleichterungen müssen nun abgesichert und die geplante Überarbeitung 2026 deutlich vereinfacht werden, um zusätzliche Bürokratie zu vermeiden. Dafür setzen wir uns ein“, so Berlakovich.
 

Strategieprozess der Landwirtschaftskammer gestartet

Kammerdirektor Martin Burjan berichtete über den „Zukunftsdialog“, den laufenden internen Strategieprozess der Landwirtschaftskammer Burgenland. Ziel sei es, die Kammer noch effizienter, serviceorientierter, digitaler und moderner aufzustellen. „Wir gestalten die Landwirtschaftskammer gemeinsam mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den Funktionären mit unserem im Vorjahr begonnenen Strategieprozess zukunftsfit“, so Burjan. Die Landwirtschaftskammer biete den bäuerlichen Betrieben und Grundeigentümern im Burgenland ein umfangreiches Beratungs- und Bildungsprogramm, das auch nachgefragt wird. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben jährlich über 30.000 Beratungskontakte und an den Bildungsveranstaltungen nehmen rund 16.000 Personen teil. Kammerdirektor Burjan: „Unsere Arbeit wird in Abfragen zur Kundenzufriedenheit regelmäßig mit einem Schulnotenwert von 1,2 bis 1,3 sehr positiv bewertet. Wir wollen aber am Puls der Zeit bleiben und uns weiterentwickeln – mit weiter hoher Servicequalität, konkurrenzfähigen Arbeitsplätzen, einem zeitangepassten, hochwertigen Beratungs- und Bildungsangebot und einer verlässlichen Interessenvertretung.“
 

Internationales Jahr der Bäuerin 2026

Landesbäuerin Christine Riepl stellte die Schwerpunkte zum Internationalen Jahr der Bäuerin 2026 vor. Dabei gehe es um Sichtbarkeit, Anerkennung und gezielte Unterstützung für Frauen in der Landwirtschaft. „Bäuerinnen leisten tagtäglich Enormes – am Betrieb, in der Familie und in der Gesellschaft“, unterstreicht Christine Riepl. „Das Internationale Jahr der Bäuerin ist eine große Chance, diese Leistungen sichtbar zu machen und gleichzeitig neue Impulse für Bildung, Gesundheit und wirtschaftliche Absicherung von Frauen im ländlichen Raum zu setzen. Denn die Gleichstellung ist noch nicht erreicht. Es geht darum, die soziale und rechtliche Absicherung von Bäuerinnen zu stärken, faire wirtschaftliche Rahmenbedingungen zu schaffen, Care-Arbeit und Gesundheit ernst zu nehmen und Bildung und Gleichstellung weiter auszubauen. 2026 wird ein Jahr des Handelns werden“, betont Riepl.

Landjugend: Zukunft aktiv gestalten

Auch die Landjugend Burgenland, die größte Jugendorganisation in Österreich im ländlichen Raum ist, präsentierte ihre Vorhaben für 2026. Neben Bildungsangeboten, Projektarbeiten und Wettbewerben stehen verstärkt Zukunftsthemen wie Innovation, Ehrenamt und gesellschaftlicher Dialog im Vordergrund. Maximilian Weiss, Landesleiter der Landjugend Burgenland, die rund 600 Mitglieder hat, betont: „Wir wollen 2026 zeigen, dass junge Menschen Verantwortung übernehmen und aktiv an der Weiterentwicklung des ländlichen Raums mitarbeiten. Die Landjugend steht für Engagement, Gemeinschaft und eine moderne Landwirtschaft.“

Gemeinsamer Blick nach vorne

Abschließend betont die Landwirtschaftskammer Burgenland die Bedeutung von Zusammenhalt und klarer Interessenvertretung. „Das Agrarjahr 2026 wird richtungsweisend“, so Präsident Berlakovich. „Wir werden uns mit aller Kraft für unsere bäuerlichen Familienbetriebe einsetzen – in Brüssel, in Wien und im Burgenland.“
 
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